Die Lehrer-Schüler-Kluft

•2012.März 19 • Schreibe einen Kommentar

„Offenbar gehen nicht-ideale Kinder in nicht-ideale Schulen, während die pädagogische Idealisierung ungebrochen ist.“ (Jürgen Oelkers, 2004)

Dieser von Oelkers festgestellte Abstand zwischen Theorie und Praxis wird vermutlich früher oder später jedem Pädagogen auffallen. Noch größer wird der Abstand zwischen Lehrenden und Lernenden, wenn die Schulen nicht nur „nicht-ideal“ sind, sondern möglicherweise katastrophal oder gleich ganz fehlen.

„… the best teachers and schools don’t exist where they’re needed most.“

Eine Möglichkeit ist es Schulen zu Kindern zu bringen, so wie das „School on Wheels“ Projekt in den Slums von Hyderabad oder das ebenfalls in Indien agierende „Door Step School“ Projekt.

Ob diese Projekte den aus Kalkutta stammenden und an der Newcastle University lehrenden „Professor of Educational Technology“ Sugata Mitra beeinflusst haben ist mir nicht bekannt. Es darf aber wohl angenommen werden, dass er mit der Problematik vertraut war, dass (indische) Slum-Schulen „nicht-ideal“ aka. abwesend sind.

Mitra begann vor diesem Hintergrund mit dem „Hole in the wall“-Experiment. Was sich mit seiner Aussage

„A teacher that can replaced by a machine; should be!“

ganz gut zusammenfassen lässt.

Seine zweite Erkenntnis,

„If children have interest – education happens!“

ergänzt die erste unter den gegebenen ganz gut.

Zwei großartige Ideen hat er in diesem Rahmen bereits umgesetzt. Die erste trägt den fantastischen Namen Grannycloud versehen. Via Skype bringen Grannys indischen Kindern (u. a.) Englisch bei. Die zweite Idee sind die so genannten Self Organizing Learning Environments. Beide werden in dem zweiten eingebundenem Video vorgestellt. Anzusehen lohnen sich beide, wenn nicht mehr. Denn wie bemerkte Mitra hinsichtlich zweier Kinder aus einem seiner Projekte:

„They wanted to be footballers before. After seeing eight TED-Talks he wanted to become Leonardo Da Vinci.“

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Dein Unterricht als animierter Kurzfilm – weltweit!

•2012.März 16 • Schreibe einen Kommentar

Die meisten werden TED-Talks bereits kennen.

(Wer dies nicht tut sollte DRINGEND auf den Link links klicken und sich seine sofortige und legale Bewusstseinserweiterung abholen!)

Ein neues Projekt ist Unterrichtsstunden auf ca. 10 Minuten einzudampfen und sie dann animieren zu lassen. Es ist ein bischen so, als würde die Khan Academy mit Pixar fusionieren.A

Hier ist, was die Macher dazu sagen:

und auf dem YouTube-Kanal von TedEdu kann man sich bereits die ersten Beispiele ansehen.

Also los Ihr Pädagogen, konzentriert Euch auf das Wesentliche und verbreitet Eurer Wissen, Eure Begeisterung und Eure Visionen!

(via cartoonbrew.com)

Augen zu und durch

•2012.Januar 26 • Schreibe einen Kommentar

„Den öffentlichen Raum per Video zu überwachen, ist grundsätzlich legitim, wenn dadurch Straftaten verhindert werden können.“

Wenn! Wenn ist hier das entscheidende Wort. Der oft nervige Volksmund, von Generation zu Generation durch meist mahnende Eltern vermittelt, weiß seit Ewigkeiten zu schwadronieren „Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, …“

Der Haken an der Sache ist leider

VIDEOÜBERWACHUNG AUF DEM KIEZ TAUGT NACHWEISLICH NICHT ZUR PRÄVENTION!

Rituale & Regeln (Crosspost)

•2012.Januar 22 • Schreibe einen Kommentar

Dies ist ein Crosspost meines ISP-Blogs, den ich aus Datenschutzgründen leider nicht in gänze zugänglich machen kann. :(

Edits im Artikel geschahen ausschlieslich zur Anonymisierung der SuS, LehrerInnen und der Institution.

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„Rituale werden in und durch soziale Arrangements erzeugt, in denen Menschen ihr Verhältnis zu sich, zu anderen und zur Welt […] darstellen.“1)

Das soziale Arrangement ist klar. Zwei Lehrer und 24 Kinder entwickeln ihr Verhältnis zu und untereinander auf der Bühne des Klassenraumes in der Institution Schule. Eine Schule in einer demokratisch, kapitalistischen Gesellschaft, mit der Aufgabe ihre Zöglinge, mittels ihrer Repräsentanten, jene zwei Lehrkräfte, auf eben diese Gesellschaft  vorzubereiten.

„ Wenn von einem Ritual als Aufführung sozialer Handlungen die Rede ist, wird damit ein wiederkehrendes, zeitlich und räumlich begrenztes Ereignis bezeichnet.“ (ebenda. S. 340)

Das häufigste Ritual dürfte das Leisezeichen in meiner ISP-Klasse sein. Den Zeigefinger der linken Hand über die geschlossenen Lippen, wird die rechte Hand geöffnet mit der Handfläche nach vorne, neben den Kopf oder etwas höher gehalten. Für gewöhnlich geht es von den Erwachsenen aus, verbunden mit der stillen Aufforderung an die Kinder das Zeichen zu imitieren. Meist geht ihm der Klang der Portiersklingel oder der Klangschale voraus, die einer pawlowschen Glocke gleich, die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf den Signalgeber zentrieren. Der Sinn dieses Rituals ist es Ruhe und gegebenenfalls Aufmerksamkeit zu generieren. Für gewöhnlich gelingt dies. Falls nicht verfügt, zumindest im Falle erwachsener Signalgeber, der Initiator des Rituals über positive oder negative Verstärker im Sinne einer operanten Konditionierung, indem tischeweise Sterne vergeben oder abgezogen werden. Ist eine bestimmte Menge Sterne erreicht, so gibt es Punkte, die ihrerseits ab einer bestimmten Menge in Kaugummipunkte, Inselzeit, oder ähnlich populäres investiert werden können. Drei Dinge werden hierbei deutlich. Erstens, dass es zwischen dem Sinn des Rituals (Ruhe und Aufmerksamkeit) und den Stellschrauben (Sterne und Punkte / Belohnung und Strafe) keinen sachsinnlogischen Zusammenhang gibt. Zweitens, dass stets mit Kollektivstrafen zu rechnen ist. Zwar kann ein einzelner Schüler konstant dem Erhalt der begehrten Sterne für den ganzen Tisch im Weg stehen reden, es ist aber nicht möglich, dass ein einzelner ruhiger Schüler das Gegenteil für einen ansonsten unruhigen Tisch bewirkt. Drittens, dass die SuS über den Stellvertreter Stern/Punkt an die Regularien des Geldkreislaufes herangeführt werden. Das erfüllen bestimmter Erwartungshaltungen bringt Tokens zum Befriedigen von Bedürfnissen, die (mindestens im Falle von Kaugummi) durch künstliche Verknappung eine vermeintliche Wertsteigerung durch die Punkteverteiler erfahren. Die Lehrkräfte erfüllen den gesellschaftlichen Auftrag, die Kinder lernen, dass die Klingel und der Akt Instrumente der Macht sind. (Wie würden sie wohl erste verfahren, wenn sie auch Punkte vergeben dürften?)   

„Die Macht performativer Prozesse hat den Effekt der Einverleibung von Machtstrukturen […]; sie erzeugen einen Habitus, der sich […] in der Anerkennung von Autoritäten und Hierarchien“ (ebenda. S342) ausdrückt.

Um hier nicht missverstanden zu werden; Rituale wie Regeln sind wichtig. Sie zeigen Kindern nicht nur Grenzen auf, sondern bieten eben dadurch auch Orientierung. Als soziales Wesen ist der Mensch auf gemeinsame Regeln angewiesen um das Zusammenleben eben zu regeln. Hierbei hilft die „normative Ordnung [von Ritualen; A.-C. B.], die in durch formalisierte und repetitive Pragmatiken der Aufführung gewährleistet wird.“ (ebenda. S. 341) Sollen Regeln in der Gemeinschaft anerkannt werden, so sollten sie gemeinsam vereinbart, erarbeitet und akzeptiert werden. Wie verhält es sich nun in der Schule. Regeln werden von den Erwachsenen vorgegeben; Kinder haben sich danach zu richten. Dies kann seine Berechtigung darin finden, dass nicht zu erwarten ist, dass Kinder die Notwendigkeit einer Regel nicht erkennen können, da sie erst in der Zukunft zum tragen kommt. Wer einmal mit Kindern über die Notwendigkeit von Zähneputzen diskutieren musste wird das Dilemma kennen. „Von wegen Zahnschmerzen; als ich eben in den Keks gebissen habe hat das überhaupt nicht weh getan.“ 🙂

Fragwürdig wird es dann, wenn Regeln aus der Willkür eines einseitigen Machtgefälles entstehen. Kaugummi- und Kapuzenverbote entstehen aus der Perspektive der Erwachsenen, werden nicht verhandelt und haben meist keinen logischen Bezug zu der erwarteten Aufmerksamkeit, wie das populäre Versagen von Nachtisch bei unaufgeräumten Kinderzimmern. Aufmerksam ist ein Kind nicht, weil es keine Kapuze auf dem Kopf hat, sondern weil es den Unterrichtsgegenstand für subjektiv bedeutsam hält.

Das zweithäufigste Ritual ist das Aufräumlied.

„Anders als Du“ von der CD „Ich und du – Schubidu“

Zum Ende einer Stunde/Einheit wird es eingeschaltet und signalisiert einen spezifischen Zeitraum, in dem der Platz aufgeräumt werden soll. (Abgeschlossen wird es dann für gewöhnlich von einem Impuls der Portiersklingel/Klangschale plus oben ausgeführtem Leisezeichen.) Nicht nur, dass der Text des Liedes keinen inhaltlichen Bezug zu der damit gekoppelten Aufforderung des Aufräumens besitzt, auch steht der Text in krassem Gegensatz zur Haltung meiner ISP-Anleiterin bezüglich der Thematisierung von Heterogenität beziehungsweise dem Benennen von individuellen Merkmalen. Dass der Text in den vier Wochen nicht weiter thematisiert wurde oder darauf verwiesen wurde ergibt in dieser Hinsicht allerdings wieder ein schlüssiges Gesamtbild.

Ähnlich wie die Verfahrensweise in der Klärungsrunde des Klassenrats oder bei anderen Streitigkeiten. Für gewöhnlich verläuft es so, dass ein Kind sagt, dass es mit einem anderen aus der Klasse etwas klären möchte. (Sollte es aus Versehen sagen, „Ich möchte mich über XY beschweren!“ wird es darauf hingewiesen, dass dies ja sehr negativ klinge und klären viel besser sei.) Dann darf der Beschwerdeführer Klärungsbedürftige seinen Fall vortragen. Anschließend erhält der Beschuldigte Erklärende (?) die Gelegenheit zu einer Stellungnahme. Egal wie diese ausfällt, ob eine Begründung für das Verhalten angeführt wird oder die Sicht der Dinge eine völlig andere ist (zum Beispiel wer angefangen hat), wird das erste Kind gefragt, was es sich vom zweiten wünscht. Dann wird das zweite Kind gefragt, ob es schafft diesem Wunsch zu entsprechen (und da oft genug diese Frage stellvertretend von einem Erwachsenem gestellt wird) ist klar, dass die Antwort „Ja!“ zu lauten hat und auch entsprechend ausfällt. So reicht für gewöhnlich allein die Anklage der Klärungswunsch (L. wollte nicht, dass S. Blumen auf den Bolzplatz malt) um seine Interessen durchzusetzen (S. durfte dort keine Blumen mehr malen), wo aus meiner Perspektive die Suche nach einer Möglichkeit zur friedlichen Koexistenz wünschenswert, möglich und erfolgversprechend gewesen wäre.

Selbstverständlich gibt es auch Rituale, die keinem weh tun.

Die Gesprächsregeln der Klasse sind natürlich sinnvoll. Sich gegenseitig auszutauschen, in den Diskurs zu treten und Ideen zu teilen ist stets sinnvoller als eine Kommunikation gegeneinander.

Zu Beginn der Sport-Aufbau-Stunde montags, machte meine ISP-Anleiterin mit den SuS immer einen Rap. (An dieser Stelle könnte ich mich gerade in den A*#Φh beißen, dass ich den Text nich aufgeschrieben habe.) Der Text bereitete inhaltliche auf die kommende Stunde vor, wurde sprachlich und körperlich (rhythmisches Klopfen auf dem Boden) und vor allem von Erwachsenen und Kindern gemeinsam performt.

Ebenfalls halte ich die diversen Dienste für sinnvoll. Kollektiv wird an dem gemeinsamen Raum gearbeitet. Gefällt einem ein Dienst nicht mehr, so wird die Möglichkeit geboten ihn gegen einen anderen zu tauschen. Auf diese Weise leisten alle einen Beitrag für etwas Gemeinsames.

Gerade die letzten drei Beispiele führen meiner Meinung nach zur Stiftung einer sozialen Identität in der Klasse, in die angesichts der oft zu tage tretenden mangelnden Sozialkompetenzen der SuS weit mehr Zeit investiert werden sollte.

1) C. Wulf & J. Zirfas „Das Soziale als Ritual: Perspektiven des Performativen“ in Wulf, Christoph et al.: „Das Soziale als Ritual. Zur performativen Bildung von Gemeinschaften“, Leske + Budrich; Opladen 2001, S.339

„Es war einmal ein Zweimal …“ – Ein digitales Vorlesegespräch (Crosspost)

•2012.Januar 22 • Schreibe einen Kommentar

Dies ist ein Crosspost meines ISP-Blogs, den ich aus Datenschutzgründen leider nicht in gänze zugänglich machen kann. 😦

Edits im Artikel geschahen ausschlieslich zur Anonymisierung der SuS, LehrerInnen und der Institution.

                                                                                                                                                                                                                                                      

Heute hatte ich meine erste Unterrichtsdurchführung in meiner ISP-Klasse, die nicht in der Sporthalle statt fand. Ich wollte ein Vorlesegespräch zu „Es war einmal ein Zweimal“ von Rolf Vogt machen. Aber, getreu meines digitalen Mottos „Entdecke die Möglichkeiten“, nicht in traditioneller Form, die in meiner ISP-Klasse oft auch Vorbehalte auslöst, sondern am SMART-Board. Nach einem Worshop an der Uni wollte ich nun in den Praxistest. Dafür hatte ich nicht nur die Nachbarklasse, wo die digitale Tafel hängt, gefragt, wann wir die Räumlichkeiten nutzen dürfen, sondern auch, mit einer Vorbereitungszeit von zweieinhalb Tagen, in mehreren Nachtschichten die Bilder des Buches eingescannt, bearbeitet, und mich mit der Software vertraut gemacht.

Bevor es in die Nachbarklasse ging thematisierte ich mit den SuS noch einmal „zu Besuch sein“ mit den entsprechenden Verhaltensregeln. J. fragte, ob ich sie tischeweise hinüber schicken würde. Super Idee. Genau so geschah es. In der Nebenklasse hatte ich bereits halbkreisförmige Stuhlreihen mit Blick zum SMART-Board vorbereitet. Den Text mit den Fragen und Vermerken (PDF), wann ich weiterklicken muss hatte ich in der Hand. Die Fragen selber habe ich entsprechend des Konzepts des Literarischen Lernens nach Kaspar H. Spinner konzipiert. Da das Buch selber recht kurz ist habe ich mich auf drei Stück beschränkt.

  1. „Was denkst Du, weshalb es unbedingt ein Dreimal sein möchte?“
  2. „Was denkst Du, was sie dieses mal machen sollten?“
  3. „Was möchtest Du einmal sein?“

Dabei sollten die erste und dritte Frage gezielt eine Klammer für die Geschichte darstellen. Von der Perspektivübernahme der Seins-Frage des Einmal begonnen, endet die Geschichte mit der Frage nach dem eigenen Sein. Der Verweis auf den Fasching sollte dabei den Zugang erleichtern, da möglicherweise nicht jeder Vorschüler bereits über Berufswünsche nachdenkt. Bei der letzten Frage habe ich mehrere SuS nach vorne gebeten und sie ihre Wünsche direkt auf die Tafel schreiben lassen. Alleine das Medium (und hoffentlich auch ich) übte während der ganzen Stunde eine so große Faszination aus, dass meine ISP-Klasse anschließend ein großes Lob verdient hatten und meine ISP-Anleiterin neugierige Fragen nach dem wie stellte.

Auch wenn das folgende Video ganz sicher kein Ersatz für das Dabeisein ist, die Antworten der Kinder, die Atmosphäre und Performanz nicht annähernd wiedergibt, so vermittelt es vielleicht doch einen Eindruck davon, was den Kindern geboten wurde.

„Das Konzept der Integrativen Förderzentren im Blickwinkel des Index für Inklusion“

•2011.Dezember 11 • Schreibe einen Kommentar

Der Titel dieses Posts ist gleichzeitig auch der Titel meiner Bachelor-Arbeit. Wie immer hab ich das werk unter Creative Commons Lizenz gestellt. Ein PDF der Arbeit steht hier zum Herunterladen zur Verfügung.

Was inhaltlich zu erwarten ist kann dem Inhaltsverzeichnis entnommen werden.

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Forschungsfrage S. 01

2. Der Untersuchungshintergrund: Begriffsklärung Inklusion S. 03

2.1. Inklusion ≠ Integration S. 03

2.2. Vier Sichtweisen von Inklusion S. 05

2.2.1. Inklusion aus Sicht des Systems und des Inputs S. 06

2.2.2. Inklusion aus Sicht des Systems und des Outputs S. 08

2.2.3. Inklusion aus Sicht der Akteure und des Inputs S. 09

2.2.4. Inklusion aus Sicht der Akteure und des Outputs S. 11

2.2.5. Fazit der vier Positionen S. 12

3. Das Untersuchungswerkzeug: Der Index für Inklusion (IfI) S. 13

3.1. Die vier Elemente des Index für Inklusion: Schlüsselkonzepte S. 13

3.1.1. Das schlüsselkonzept „Inklusion“ S. 13

3.1.2. Das Schlüsselkonzept „Barrieren für Lernen und Teilhabe“ S. 14

3.1.3. Das Schlüsselkonzept „Ressourcen zur Unterstützung von Lernen und Teilhabe“ S. 15

3.1.4. Das Schlüsselkonzept „Unterstützung von Vielfalt“ S. 15

3.2. Die vier Elemente des Index für Inklusion: Analyserahmen S. 15

3.3. Die vier Elemente des Index für Inklusion: Analysematerial S. 16

3.4. Die vier Elemente des Index für Inklusion: Der Index Prozess S. 16

3.5. Einordnung des Index für Inklusion hinsichtlich seines Inklusionsverständnisses S. 17

4. Der Untersuchungsgegenstand: Das Hamburger Konzept der Integrativen Förderzentren (IF) S. 19

5. Die Untersuchung  S. 22

5.1. Die Untersuchungsmethode: Itemauswahl und Begründung S. 22

5.2. Untersuchungsdurchführung: Anwendung der Items auf das Konzept der IFs S. 23

5.3. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse S. 28

6. Fazit und Ausblick  S. 29

 Anhang:

• Literaturverzeichnis

• Abbildung „Inklusion in Bildung und Erziehung“

• Organigram des Konzeptes der IF

• Drucksache 18/860

• DVD mit verwendeten Quellen aus dem Internet & PDF der Arbeit

 

Creative Commons Lizenzvertrag
Das Konzept der Integrativen Förderzentren im Blickwinkel des Index für Inklusion von Arne-Christian Beier steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Beruht auf einem Inhalt unter evolusin.wordpress.com.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie unter https://evolusin.wordpress.com/2011/12/11/das-konzept-de…-fur-inklusion/ ‎ erhalten.

Clouducation

•2011.Mai 18 • 2 Kommentare

(Bild ist ein Mashup von KawaiiCloud & notionscapital und NamensnennungKeine kommerzielle Nutzung bestimmte Rechte sind vorbehalten)

Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz von Google wurde (wiedereinmal) die Revolution der Bits und Bytes verkündet. Das Chromebook wurde vorgestellt. Die Hardware für die Cloud oder, wie es der Titel eines Aufsatzes von Mark Weiser nennt „The Computer for the 21st Century“. Unbestreitbar ist, dass wir uns inzwischen im 21. Jahrhundert befinden. Cloudcomputing selbst ist hingegen noch stark umstritten.

Die vermeintliche Freiheit auf seine Daten immer und überall zugreifen zu können sieht Dr. Theo Röhle von der Universität Paderborn in seinem Beitrag „Ausweitung der Kontrollzone“ (erschienen in „Kontrolle und Selbstkontrolle – Zur Ambivalenz von E-Portfolios in Bildungsprozessen“) als einen Ausdruck der Kontrollgesellschaft. Dabei sei der Begriff der Kontrolle „nicht gleichbedeutend mit Steuerung, sondern zielt [ziele] eher auf eine Kopplung von Flexibilität und Risikomanagment ab. […]

Abweichungen werden nicht mehr als Problem wahrgenommen, vielmehr ermöglichen die Erfassung und die Analyse von Konsumverhalten die Konstruktion flexibler Cluster, die dem Marketing zugrunde gelegt werden“. (Röhle)

Gerade der letzte Teil liest sich wie das Geschäftsmodell von Google. Und auch die Flexibilität werden sich Brin und Page sicherlich gerne anrechnen lassen. Und wie schaut es mit dem Risikomanagment aus? Während große Clouddienste wie Dropbox oder Googles Android gerade mit massiven Sicherheitsmängeln konfrontiert werden, wird in anderer hinsicht gerade die Cloud als Sicherheitsargument angeführt. Unternehmen wie Google könnten in ihren Serverfarmen eine Sicherheit gewährleisten, die unter anderen privaten Bedingungen nicht möglich wäre.

Röhle beschäftigt sich nun mit der Analyse eines sehr konkreten Bereichs; der universitären IT-Infrastruktur. In Singapur ist Gogle bereits großflächiger Bildungs-IT-Dienstleister.Das Chromebook soll diesen Weg international weiter voran schreiten.

„Vorgestellt wurde ein Abonnement-Modell: Für 28 Dollar pro Arbeitsplatz im Monat sollen Chrome-OS-Rechner für Firmen zur Verfügung gestellt werden – einschließlich automatischer Hardware-Upgrades. Universitäten wird der gleiche Service für 20 Dollar angeboten. Dieses Abo-Modell soll es auch in Europa geben, die genauen Preise seien aber noch unklar.“ (SpOn)

Mit Google Apps wird ein Softwarepaket zur Verfügung gestellt, welches ohne Frage auch für Studienbedingungen des 21. Jahrhunderts beste Voraussetzungen liefert. Wer, so wie ich, mit dem konstanten Desaster STINE an der Uni-Hamburg konfrontiert ist wird ohnehin Probleme haben nachzuvollziehen, weshalb es überhaupt noch universitätsinterne IT-Infrastruktur gibt. Um so mehr, als sich mit STINE und Google Apps jeweils Repräsentanten eines Disziplinar- und eines Sicherheitsdispositivs gegenüberzustehen scheinen. Während das Disziplinardispositiv durch Restriktion versucht Subjekte einer (konstruierten) Norm unterzuordnen (Studium heute), ist es dem Sicherheitsdispositiv genuin die Subjektivität von Individuen anzuerkennen und durch deren Analyse potentiellen Gefahren entgegenzuwirken. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass die Hochschulen unter immer stärkerem finanziellen Druck stehen, so dass das Angebot Googles, all die schönen Produkte kostenlos und, im Falle von Buisness-/Uni-Bundles, werbefrei zur Verfügung zu stellen fast zu schön ist um wahr zu sein.

Nun muss man kein Hellseher sein um die Vorteile Googles eines solchen Deals zu identifizieren. Nutzerbindung und Datamining. Die Demografie an Universitäten bietet nicht nur die Möglichkeit Trends und Bedürfnisse von heute aufzuspüren, sondern auch auch auf diesem Weg langfristige (entwicklungspartnerschaften) zu etablieren. Wer in der Hochschule mit Googleprodukten arbeitet, der wird dies auch im privaten Leben tun. Röhl warnt davor den Tausch „technisch sehr ausgereifte Produkte […], die gerade für den Bildungsbereich besonders gut geeignet sind“ mit seinen Datenprofilen, aufgrund derer einem Produktwerbung angeboten wird, die einen möglicherweise tatsächlich anspricht, als „fair“ zu betrachten.

„Die zunehmende Verdatung der Bildung ist vor dem Hintergrund einer insgesamt zunehmenden Verdatung und komerziellen Nutzbarmachung immer weiterer Lebensbereiche […] zu betrachten.“ (Röhle)

Unter Bezug auf Lazzarato warnt er vor „Indienstnahme“ (Parzellierung des Subjekt in marketinrelevante Datensätze) und „Unterwerfung“ (Verortung des Subjekts in spezifischen Marktsegmenten) durch Google, die langfristig zu Abhängigkeit eines externen Dienstleiters und Reduzierung auf verwertungsrelevante Aspekte führen würden.

Im ersten Fall habe ich weniger Bedenken. Wann immer in der Geschichte des Internets ein Dienst verschwand trat ein neuer auf den Plan (mySpace -> facebook, delicious -> diigo, napster -> iTunes, …). Die größere Gefahr sehe ich in dem zweiten Aspekt. Der Dienst, den ich brauche wird mir nur dann angeboten, wenn ausreichend kommerziell interessante Nutzer ihn ebenfalls haben möchten. Wer laktoseintolerant ist wird Schokoladen- und Vanillepudding sicherlich nicht als Wahl verstehen, sondern sich zum Beispiel Obst wünschen. Das Risiko besteht meiner Meinung nach nicht darin, dass ich Inhalte/Werbung zu sehen bekomme, die ich tatsächlich interessant finde, ohne dass ich es vorher  wusste, sondern darin, dass Inhalte nicht mehr oder nur schwer zu finden sind, weil sie kommerziell nicht verwertbar sind. Spätestens wenn Google über Werbeeinnahmen nicht mehr genügend Geld verdient wird es seine gegenwärtig marktbeherrschende Stellung nutzen und verschiedene Dienst kostenpflichtig machen. Dann wäre ein Szenario vorstellbar, wie es gegenwärtig mit Aids-Generika auf dem afrikanischen Markt zu beobachten ist.

Verwendete und weiterführende Literatur und Links:

 
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