Unglaublich

Was sich in den Statistiken meines Blogs in den letzten 48 Stunden abgespielt hat ist der reine Wahnsinn.

Plötzlich befinde ich mich im WordPressranking der am schnellsten wachsenden Blogs auf Platz 7 und alleine heute haben 189 Leute meinen Blog besucht!
Damit ist das der Tag mit dem zweitgrößten Traffic seid ich diesen Blog betreibe. Der bisherige Toptag hatte mit dem Pressespiegel zur Anti-Lenzen Aktion im Rahmen der Audimaxbesetzung letztes Jahr zu tun. Davor hielt ich (hach; damals) mit 74 Hits meinen Artikel über die Ausschreitungen im Iran nach der „Wahl“ Ahmadihneschads. Und ein Dauerbrenner ist meine mündliche Prüfung zum Bilderbuchvergleich geworden, in der ich unter anderem die Theorie von Kaspar H. Spinner verwendete, weshalb ich im Suchalgorhythmus von Google zu dem Herrn jetzt in den ersten zehn Ergebnissen stehe.

Wie kommt das alles? Woher heute das Interesse?

Beim ziellosen Surfen stieß ich auf einen Artikel, dessen Titel „Einsatz moderner Medien im Unterricht fetzt“ mein Interesse geweckt hatte. Der Artikel handelte dann aber nicht von innovativen Konzepten mit Smartboard oder Twitter, sondern davon, dass die Autorin beschrieb, wie sie einen Schüler disziplinierte, indem sie vor der Klasse per Handy (das moderne Medium!) die Mutter des betroffenen Schülers anrief und diese bat dem Jungen abends eine Strafpredigt zu halten. Die Konsequenz war, dass die Autorin dies als ihr Tageshoch feierte

„Ich bin KING TEACHER!!!!! Ihr wollt wissen, wie das ist? SUUUUPER!!!“

und ihre Leserschaft in den Kommentaren jubelnd den „Sieg der guten =)“ (derretter) ausrief, es für eine „göttliche Idee“ (PaulaPony) hielt, sich mit dem Konzept des Prangers solidarisch erklärte

„Ja, man wundert sich, dass ein Anruf bei den Eltern noch „zieht“. Zu mir sagte mal ein Zehnt(!)klässler: Ich sitze lieber 3x nach, aber rufen Sie bitte nicht meine Eltern an. Innerlich dankte ich ihm für diese Selbstoffenbarung. Und natürlich habe ich die Eltern angerufen.“ (Elfchen)

und ihm auch gleich noch attestierten, dass die Neuauflage von Pranger und Eselsmütze (PDF ab S. 5) professionelles Mittel sei

„Was das Bloßstellen angeht, habe ich letztes Jahr sogar auf einer Fortbildung erfahren, dass das Bloßstellen – auch „soziales Schämen“ – genannt, durchaus ein guter Weg sein kann, damit der Schüler das ungewünschte Verhalten einstellt.“ (Mrs. Pink)

Nachdem ich mich kritisch zu der Methode und der Darstellung von Schülern äußerte brach ein Shitstorm in den Kommentaren los, der mich im wesentlichen als praxisferne, humorlose, gutmenschliche, nörgelnde, …, Frau (warum auch immer) anfeindete und die Leserschaft von Fr. Freitag schützend um die Autorin scharrte. Da hatte ich was losgetreten. Das war gestern.

Heute hatte Fr. Freitag dann den schulfreien Sonntag genutzt um jenseits der Kommentare sich zu der Kritik von mir und einem Lehrer Gehrke zu äußern, indem sie den Artikel „Der gequälte Lehrer antwortet“ schrieb. Bei der darin stattfindenden „Analyse“ des Shitstorms schrieb sie unter anderem:

„Aber publikumswirksam ist auch, bei mir einen link zu setzen. Liebe Leser, geht mal alle auf diesen link und zu evalusine auch, die soll ja auch nicht ungelesen sterben.“ (Fr. Freitag)

So kam es, dass heute der Tag mit dem zweitmeistem Traffic bei mir war. Nun habe ich bei Leibe nicht so viele Leser wie Fr. Freitag, möchte aber jeden, der dies liest und nicht gerade von dort kommt, ermuntern sich die beiden Artikel (und/oder den ganzen Blog) anzuschauen und zu kommentieren. Selbstverständlich nehme ich auch hier gerne, konstruktives, Feedback zu Themen wie Humor, Praxisferne, Didaktik und anderem entgegen.

Und ob Ihr es glaubt oder nicht, der Traffic war dabei definitiv nicht meine Intention. Ich finde einfach, dass Links im web 2.0 dazu gehören.

UPDATE

Auf speziellen (und berechtigten) Wunsch von Bambi habe ich noch einmal einen Artikel von Fr. Freitag kommentiert, der sich aus diesem Kommentar-Ping-Pong bei ihr ergeben hat. „Warum ich hier schreibe“ halte ich ERNSTHAFT für lesenswert. Ansonsten bin ich gerade die Disclaimer leid und beende für mich dieses Kapitel. @Bambi: Deshalb auch kein extra Post dafür.

~ von evolusin - 2010.Dezember 5.

20 Antworten to “Unglaublich”

  1. Mir ging es genauso, obwohl ich nicht glauben kann, dass die vielen hits wirklich von Frau Freitags Blog kamen. Wenn´s wirklich so war, habe ich Hoffnung, dss es genug ihrer Leser gibt, die sich mit den Themen Pädagogik und traumatisierte Kinder noch ernsthaft auseinandersetzen wollen. Deshalb, evolusin: Weiter so! Für mich ist „Gutmensch“ kein Schimpfwort, sondern ein Lob und ein Synonym für die Vertretung der Anständigkeit.

    R.G.

  2. Willkommen auf dem Kinderspielplatz, wo sich nun feierlich gegenseitig mit Sand beworfen wird…

  3. […] This post was mentioned on Twitter by Ralph, EvoluSiN. EvoluSiN said: Blogpost: Unglaublich http://tinyurl.com/2uny76e #Pranger #Eselsmütze #Lehrer #Schüler #Traffic […]

  4. Als Leser, der noch nicht wirklich lange auf FrauFreitags Blog mitliest und das Ganze auch durchaus etwas kritischer betrachtet: Ich fand die Gesamtdebatte eher amüsant.

    Mein Eindruck: Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob sich besagte Bloggerin der vollen „Macht“ des Web 2.0 so ganz bewusst ist/war. Der heute veröffentlichte Eintrag spricht da eher ein wenig dagegen aus meiner Sicht. Ihr daraus dann gleich den Vorwurf der Absicht zu stricken, so werden die Postings zumindest gelesen, ist dann eventuell auch nicht ganz richtig. Das dürfte eventuell eher eine Portion Naivität sein.

  5. Ich möchte mich ja eigentlich gar nicht einmischen, gebe aber zu, die Blogs von Frau Freitag und Frl. Krise häufig (und gern) zu lesen.
    Genau hier scheint mir auch das Problem zu liegen. Sie schreiben nämlich:

    Bevor man jedoch einen einzelnen Artikel eines Blogs als moralisch verwerflich bezeichnet, sollte man sich mit dem Kontext vertraut machen…

  6. Ich hoffe Sie lesen sich auch den neusten Eintrag von F. Freitag durch UND stellen dann so einiges hier auf ihrem Blog in einem neuen Post klar. Das fände ich zumindest angemessen!

    Und wieder zeigt sich: Lieber vorher mal persönlich den Kontakt aufnehmen und vor allem nicht “von oben herab“ kommentieren und sich lieber mit den Hintergründen vertraut machen, als sofort drauf los zu “korrigieren“!

    By the way, ich komme auch von F. Freitags Blog hierher…

    Gruß Bambi

    • Hallo Bambi,
      ich habe bei besagtem Artikel einen Kommentar gepostet und diesen lediglich mit einem Update versehen. Ich hoffe, dass geht so klar für Dich. By the way; finde ich super, dass Du bloggst! Da freut sich doch der mediendidaktische Utopist im Elfenbeinturm ;)Weiter so!

      • Klar, dafür musste ja auch nicht unbedingt ein neuer Post herhalten. Ich finde es gut, dass Sie sich dazu auch wirklich nochmal geäußert haben.
        Ich glaube mehr muss ich dazu nicht schreiben.
        Und zu dem anderen: Utopisten in Elfenbeintürmen – achja…

  7. Wer via Twitter zur kollektiven Empörung über einen Blog aufruft, den er mit aller Gewalt falsch verstehen will, hat genau solche Freunde wie Lehergerke verdient.

    Dass du dich jetzt so betroffen wohlig in deinem zweithöchsten Traffic !!!!elf!!einseins!!! suhlst, zeigt deutlich, dass es dir nur darum geht – Aufmerksamkeit.
    Naja, die hattest du ja jetzt, wird auch gleich wieder vorbei sein; aber streite deine Intention nicht so armselig ab, das ist ja oberpeinlich.

    • Dude, wenn es mir um Traffic ginge hätte ich in dem Tweet auf mich und nicht auf Fr. Freitag gelinkt😉
      P.S. Ich kenne Lehrer Gerke nicht, insofern scheint mir die Bezeichnung Freund etwas übertrieben. Sein Blog behandelt, dessen unbeachtet aber ein wichtiges Thema.
      P.P.S. Nice Illus by the way!

      • „Dude“ bin ich nicht mal für meine Freunde, aber Danke fürs Lob, das nehm ich gerne.

        jaja, der liebe Traffic. Natürlich linkt man erstmal empört auf seinen politisch-korrekten Kommentar zum schröcklichen blossstellenden Blog, auf dass die gleichgesinnte Gemeinde umso lieber dem eigenen Blog zurückfolgt.
        Man ist ja nicht blöd, und plump schon gar nicht.

        Aber vielleicht unterstelle ich auch zu viel Raffinesse, mag sein. Und um ehrlich zu sein ists mir auch egal, ich gönne dir die Visits von Herzen.

        Ich finds einfach nur sehr unhöflich, sich bei seinem ersten Besuch auf einem Fremdblog so aufzuführen. Wenn ich wo zu Besuch bin, sag ich auch nicht beim Reinkommen „was ne Scheissbude, ich zuhause versteh was von Wohnkultur“.

        Aber vielleicht bin ich zu altmodisch, mag sein, ist auch wurscht. *shrug*

    • Den tweet habe ich übrigens gepostet. Das ist im web2.0 kein Verbrechen, sondern ganz normal. Damit muss jeder rechnen, der sich öffentlich äußert. Mit „kollektiver Empörung hat das nichts zu tun, eher mit öffentlicher Diskussion.

  8. Ach – wo sollen die hits denn auf einmal herkommen? Sorry, ich vergaß: heute ist ja Nikolaus…vom Himmel hoch….
    Also, ich kann ja genau sehen, wo meine Leser herkommen…… Wenn du möchtest, erkläre ich dir, wie’s geht….
    Tschöööö

  9. Ich will deine Statistiken.
    Aber wirklich? Platz 7 bereits mit 189 Hits den Artikel? Dann war ich wohl auch mal in den Top Ten, das beruhigt.

    Meine Meinung zum Thema habe ich bereits geäußert, ich habe der Methodik wegen zwar auch meine Bedenken und lol, so eine Leserschaft möchte ich weiß Gott nicht anhäufen, doch kann ich auch die Gegenseite verstehen, wenn sie behauptet, mit gutmütterlichen Methoden aus dem Lehrbuch sei nicht sonderlich geholfen.

    Dein Artikel wirkt mitunter übrigens reißerisch, per se gewinnt man von erster Zitatstelle immerhin einen kruden falschen Eindruck von dem Menschen, der sich hinter der Verfasserin befindet und letztendlich erklärst du auch nur, wieso deine Statistiken so und so sind, beantwortest also eine Frage, die nie gestellt wurde und interessanter nicht sein könnte.

    Bitte, nur zu, ich habe ja auf effektive Gegenargumente und Verteidigungsreden gebaut, weil du am Brennpunkt selbst denkbar schlechte Karten hast, das ist nicht mehr als schlechte Hetze, aber sei es drum.

  10. Nach Lektüre der entsprechenden Artikel und Kommentare halte ich die Aufregung über die von dir geäußerte Kritik für völlig überzogen.

    Es ist ein Zeichen von Resignation wenn eine Lehrerin im Unterricht – vor der versammelten Klasse – einen Schüler bloßstellt. Ich hätte der Frau auch was erzählt, wenn sie mich instrumentalisiert, um mein Kind vorzuführen. Und der erste Kontakt den die Frau zu diesem Thema mit den Eltern herstellt findet mitten im Unterricht statt? Na, vielen Dank auch.

    Und dann äußert die Pädagogin diese Sätze:
    „Ich denke viel darüber nach, WARUM sich die Schüler so oder so verhalten. Noch nie hat mir die Erkenntnis des WARUM in irgendeiner Weise geholfen.“

    Oha.

    • vielleicht erklärst du uns am beispiel, wann dir einmal in einer ähnlichen situation das WARUM den weg zur lösung/intervention gewiesen hat?
      verständnis einer situation/eines gegenübers ist eine schöne sache, jedoch birgt sie nicht in jedem falle den ansatz zur lösung des problems mit dem gegenüber.
      ich kann arbeitslose nazis die menschen verprügeln auch verstehen oder verstehen wollen, weil ich weiß WARUM sie das tun (schlechte kindheit, Hartz4, bla), aber löst das mein problem, dass man menschen nicht verprügelt, oder macht es mir nazis sympathischer?nein, das tut es nicht!
      und gerade hier bei meinem platten beispiel will ich auch kein verständnis haben, will nicht wissen, WARUM die so drauf sind, ich will einfach nicht, dass die das tun was sie tun!
      und jugendliche heutzutage haben viel zu viel verständnis von überall her, so dass schon fast eine art selbststigmatisierung oder eine wandelnde, sich selbst erfüllende prophezeiung aus ihnen wird. dabei brauchen sie grenzen um erwachsen zu werden und werte zu entwickeln…

    • Naja, unterrichte doch erstmal so sagen wir drei Jahre am Stück, ruhig auch nur an einem ländlichen Gymnasium (weitaus angenehmere Verhältnisse als bei Frau Freitag). Und dann schreib‘ das nochmal hin, mit deiner Unterschrift, was du da gerade von Dir gegeben hast.

      Himmel, die Eltern dieser Kinder kommen zu keinem regulären Gesprächsangebot. Hausbesuche (!! in der Freizeit der Lehrkraft…) bewirken nichts. Jugendamt bewirkt nichts. Unterricht ist fast nicht möglich aufgrund der disziplinarischen Schwierigkeiten. Diese „Eltern“ (biologische Erzeuger, mehr nicht) wollen von ihren eigenen Kindern nichts wissen und/oder sind dermaßen überfordert mit der ganzen Veranstaltung, dass sie sicherlich nicht auf die Idee kommen, ihr Kind sei hier für irgendwas „instrumentalisiert“ worden. Sie können meist weder Verben in dieser Art konjugieren, noch kennen sie diesen Begriff. Was ich damit sagen will: Deine Kritik geht *vollkommen* an der beschriebenen Situation im Lehrer-Arbeitsalltag vorbei. Aber sowas von.

      • Das die Bedingungen an der Schule von Fr. Freitag (und diversen anderen) katastrophal sind (sein mögen) hat nie jemand in Abrede gestellt. Selbiges gillt für das soziale Umfeld. Das Thema war die Gestaltung der eigenen Möglichkeiten innerhalb dieses Settings bzw. die Bewertung die daraus resultierte. Spätestens, wenn eine Lehrkraft (womit ich explizit nicht Fr. Freitag meine) an dem Punkt angekommen ist, dass die Bedingungen so schlecht sind, dass man selber nix bewirken kann, sollte man sich die Frage stellen, warum man den Job dann macht.Die guten Arbeitsbedingungen werden es wohl nicht sein.

  11. Man kann schon etwas bewirken. Man kann aber nicht das bewirken, was im Pädagogikseminar versprochen wird, und schon gar nicht immer und überall mit den dort verkündeten Methoden – die funktionieren manchmal, selten, meistens leider nicht.

    Man kann freilich auch den Kopf in den Sand stecken und sagen: „Wenn nicht auf die feine Tour, dann eben ohne mich…“. Kann man machen. Muss man nicht. Man kann gottseidank auch die hehren Zitate aus dem Pädogigikkurs zurück in den Schrank packen und dafür den Pragmatismus und das Engagement im realistischen Rahmen rausholen. Das bringt dann allen Beteiligten deutlich mehr, wenn auch nicht viel. Aber besser als nichts, oder?

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