Session Impression #ec10hh – Kobito Dispatching

„Kobito Dispatching – die Zeitmaschine für Reisen in die Zukunft der Technologien von morgen“ ein spannender Name und die erste Session auf einem EduCamp, die ich je besuchen sollte. Angeboten wurde sie von Helge Städtler, der zunächst erläuterte, um was es sich bei diesem Kobito Dispatching (erläuterndes PDF) eigentlich handelt. Nach dieser Einführung splittete sich die Session in zwei Gruppen, die ihre Kobitos an unterschiedlichen stellen platziert haben. Die Gruppe der ich angehörte nahm die Perspektive eines Kobitos ein, der sich an der Tafel in Raum 06 des Von-Melle-Park 8 an der Uni-Hamburg befindet.

Im Folgenden versuche ich diese (evolutionäre) Zeitreise wiederzugeben:

  • Nach einem Jahr sehe ich mich als Tafel immer noch an der selben Stelle. Zu dem Beamer schräg gegenüber habe ich ein eher großväterliches Verhältnis. Ich merke schon, dass meine Zeit eigentlich vorüber ist und die Generation meines Enkels längst das Bild der Bildung prägt. Zum Glück habe ich besonders unter den Lehrenden noch alte Fans, die mir treu bleiben. Werde ich benutzt fühle ich mich ernst genommen. Ich stehe im Mittelpunkt und alles blickt zu mir. Was auf mir steht wird besser gleich aufmerksam wahrgenommen, denn gleich wird es wieder weggewischt. Mein Sohn, der Over Head Projektor, hat sich noch an diesen Ratschlag von mir gehalten. Mein Enkel hingegen lenkt mit seinen Darstellungen von sich ab. Nicht er, sondern bestenfalls das von ihm gezeigte steht im Mittelpunkt; wen überhaupt. Meistens beschäftigen sich die Studierenden mit etwas anderem; was der Beamer zeigt wird später eh im Netz stehen.
  • Nach fünf Jahren haben die Projektionsfläche meines Enkels und ich die Plätze getauscht. der Hausmeister hat mich an den Rand gehängt, während zentral jetzt eine leere Fläche ist, die der Beamer zu füllen hat. Einem Phönix gleich erobere ich mir als Smartboard aber meinen angestammten zentralen Platz im Seminarraum zurück. Ich bin es, der die Informationen im Raum verteilt. Ich bin ichtig. Ich bin da wo die Menschen sind. Und wo ich bin kann man dank meines GPS jetzt auch woanders sehen was ich zeige, zeige ich der ganzen Welt und nicht mehr nur den 25 qm Seminarraum. Von meinem Enkel höre ich wenig. Nachdem er vom Hausmeister abgenommen wurde zeigt er jetzt glaube ich hauptsächlich Filme in einem Studentenwohnheim.
  • Nach zehn Jahren verteile ich nicht nur Informationen, sondern ich bekomme auch welche. Die Studierenden schicken mit ihren Smartphones und Netbooks Seminarbeiträge an mich und ich zeige sie natürlich sofort ganz stolz allen anderen. So wie ich jetzt auch mit den Studierenden kollaboriere sind die Seminare insgesamt partizipativer geworden. Es ist nicht mehr das „Show & Tell“ eines Lehrenden, welches mich so viele Jahre auf ein Präsentationstool limitiert hat, sondern alle entwickeln gemeinsam Inhalte. Ich bündele sie intelligent, nehme die Wortbeiträge per Audiostream auf biete Verweise auf Kontexte an und beantworte Fragen. Ein bischen fühl ich mich wie ein Held.
  • Nach fünfzig Jahren differenziert sich der Anspruch an mich auseinander.
    • In konsequenter fortentwicklung meines ontogenetischen Prozesses stelle ich jetzt holografisch dar. Ehrensache natürlich, dass ich immer noch im Mittelpunkt stehe bzw. auf Bedarf auch liege. Denn je nach Seminargestaltung kann ich auch den zentralen Platz auf dem Boden innerhalb eines Stuhlkreises einnehmen.
    • Parallel dazu gibt es aber auch immer wieder Seminare, die sich der so genannten „Slowlearning“-Bewegung angeschlossen haben. Sie rollen dann immer meinen alten grünen Körper in den Raum und ignorieren meine geistige Existenz völlig. Zumindest steht mein Körper noch im Mittelpunkt.
  • Nach einhundertfünfzig Jahren gibt es zwar immer noch die Götzendiener meines Körpers, aber diejenigen, denen der Geist wichtiger war, denen biete ich meine Dienste jetzt als Chip im Gehirn an. Im Gehirn steuere ich dann gezielte die Neurotransmitterausschüttung, um zum Beispiel das gewünschte Bild zu generieren.

Hier endete unsere Session. Fiktiv sind wir 150 Jahre durch die Zeit gereist, real haben wir 10 Minuten nachgedacht.

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PS: Wer bei der Session/Gruppe dabei war und Ergänzungen und/oder Korrekturen anzubieten hat, ist herzlich dazu eingeladen!

~ von evolusin - 2010.Februar 10.

Eine Antwort to “Session Impression #ec10hh – Kobito Dispatching”

  1. […] Beier: Session Impression #ec10hh – Kobito Dispatching, Aftercamp-Session 2.5 #ec10hh, Session Impression #ec10hh – Virtuelles Klassenzimmer mit […]

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