Bester Blog zur Meinungsfreiheit – Dankesrede aus dem Gefängnis

Über den Iran, die letzte Präsidentschaftswahlen und den medialen Backlash habe ich hier an verschiedenen Stellen schon geschrieben. Das ich (nicht nur in diesem Zusammenhang) von Reporter ohne Grenzen viel halte, dürfte spätestens in einem der drei Banner dieses Blogs deutlich werden.

Letztere haben gestern den „Reporter ohne Grenzen Award“ für Meinungsfreiheit, eine von insgesamt 17 Preiskategorien des internationalen Blog-Wettbewerbs der Deutschen Welle „Best Of The Blogs (BOBs)“, an die iranische Journalistin Zhila Bani Jaghob, für ihren persischsprachigen Blog „Wir sind Journalisten“, verliehen. Die Dankesrede der iranischen Journalistin musste bei der Zeremonie leider verlesen werden, da sie selbst derzeitig im Iran für ein Jahr in Haft ist. Zusätzlich wurde sie zu 30 Jahren Berufsverbot verurteilt. Ihr Mann Bahman Ahmadi Amouee, ebenfalls Journalist, wurde zu sieben Jahren und vier Monaten Haft und 34 Peitschenhieben verurteilt. Beide wurden zu diesen Strafen vom Teheraner Revolutionsgerichte wegen ihrer regimekritischen Publikationen verurteilt.

(Die Informationen stammen aus diesem Artikel von Reporter ohne Grenzen, in dem auch die Dankesrede von Fr. Jaghob nach zu lesen ist.)

Dieser Widerspruch zwischen der Bedeutung des Preises und den Lebensumständen seiner Preisträgerin ist ein Indiz dafür, dass es weiterhin wichtig ist den kritischen Stimmen im Iran zu lauschen und sie zu unterstützen. Ganz sicher auch mehr, als es bisher geschieht. Denn eines scheint mir sicher; so wenig es angebracht ist die Bevölkerung des Iran in einer Pauschalverurteilung mit dem Regime des Mahmud Ahmadinedschad gleichzusetzen und die kritischen Stimmen aus dem Landesinneren nicht verstummen zu lassen, so wichtig scheint es mir den Revolutionären Wächterrat mit seinen gefürchteten Basidsch-Milizen nicht aus den Augen zu verlieren. Die Probleme des nahen Osten, ganz zu forderst der Israel-Palästina-Konflikt, sind wesentlich vom Iran beeinflusst. Das innere Gleichgewicht ist spätestens seit den umstrittenen letzten Präsidentschaftswahlen stark zu Gunsten des Regimes verschoben. Das es endgültig kippt wäre eine Katastrophe. Die Folge wäre, dass es zwangsläufig (militärische) Interventionen von außen gäbe. Meiner persönlichen Ansicht nach birgt dieses Szenario das Potential weit über die Grenzen des Iran, und auch weit über den nahen Osten hinaus, destruktiv auf die Völkerverständigung, auf die Akzeptanz unterschiedlicher Religionen und auf das Leben unendlich vieler Zivilisten zu wirken.

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~ von evolusin - 2010.Juni 23.

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