Hamburger Schulreform pt.2

Seitdem die Besitzstandswahrer von Wir Wollen Lernen die Verhandlungen mit dem Hamburger Senat abbrachen, kommt kontinuierlich Bewegung in die Bildungsdebatte in der Hansestadt. Die erste Sensation war ein so genannter fraktionsübergreifender Schulfrieden. Regierungskoalition und Opposition werben gemeinsam für die Schulreform.

Bereits der Name von WWL ist eine Unverschämtheit ist, da er impliziert, dass alle, die nicht in der Initiative organisiert sind, nicht lernen wollen. Dabei spricht sich zum Beispiel der Elternverein Hamburg in einer Pressemitteilung ebenso für die Primarschule aus, wie Studierende der Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie, Bewegungswissenschaft der Uni-Hamburg, also die Lehrer von morgen, in einem offenen Brief mit angehängter Online-Petition. Aber nicht nur die Meinungen anderer ignorieren die rückständigen Freunde des Ständesystems von WWL, sondern auch Besuche in der Realität/in Schulen wie folgt werden abgelehnt.

Argumente aus Sicht der Erziehungswissenschaft, wie sie umfangreich in einer Fachtagung der am entsprechenden Fachbereich der Uni vorgestellt wurden, prallen an Scheuerl & Co ab, so dass das Beharren auf der Vergangenheit den Blick in die Zukunft versperrt.

„Längeres gemeinsames Lernen folgt nicht nur dem Leitbild einer Gesellschaft mit mehr Zugehörigkeit und Vertrauen. Es verbessert die Lernergebnisse. Denn es ermöglicht Individuen das Wagnis, sich bewusst zu werden, Umwege zu gehen, aus Fehlern zu lernen, statt sie zu vertuschen.“ (Quelle: zeit.de)

Bis zum Volksentscheid am 18. Juli 2010 (per Briefwahl bis 15.07.2010) darf sicher nicht nur mit weiteren Tiefschlägen seitens der Blankeneser Pallisaden gerechnet werden, sondern auch mit einer breiten Mobilisierungs- und Aufklärungskampagne von Befürwortern. So engagieren sich Bündnisse wie Pro Schulreform HH und Die Schulverbesser ebenso, wie der Hamburger Senat, der auf der neuen Site www.mitgeben.hamburg.de neben Stimmen von verschiedenen (prominenten) hamburger Bürgern, auch einen Überblick zur Reform und den Unterpunkten:

  • Elternwahlrecht nach Klasse 6
  • Längeres gemeinsames Lernen
  • Individualisiertes Lernen
  • Mehr Lehrer und kleinere Klassen
  • Rechtsanspruch auf Einhaltung der Klassengröße
  • Fachunterricht in den Primarschulen
  • Zwei Wege zum Abitur
  • Keine Wiederholung einer Klasse und weniger Abschulung
  • Ganztagsprimarschule in jeder Bildungsregion
  • Bessere Elternbeteiligung und regelmäßige Leistungsrückmeldung
  • Lehrerinnen und Lehrer stärken
  • Verbesserte Berufsvorbereitung

Jeder Bürger der Hansestadt sollte sich informieren und eine reflektierte Meinung entwickeln, um die Grundlage für eine Wahlentscheidung im Juli zu erhalten, die massiven Einfluss auf die Stadt haben wird in der wir leben.

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~ von evolusin - 2010.Mai 12.

2 Antworten to “Hamburger Schulreform pt.2”

  1. Hier wird ständig von Studien geredet die es überhaupt nicht gibt. Unwissenschaftliche Schlussfolgerungen aus Pisa sind keine Studien! Niemand weiß, ob längeres gemeinesames Lernen die Lernergebnisse aller Schüler/innen wirklich verbessern wird. Wer Erziehungswissenschaft studiert oder Erziehungswissenschaftler ist, sollte das eigentlich wissen! Und wer das nicht will ist nicht rückständig sondern fordert nur ein, was in anderen Wissenschaften selbstverständlich ist. Was würden Sie denn sagen, wenn die Primarschule ein Medikament wäre, von dem man nur glaubt, dass es hilft? Jeder Schüler und jede Schülerin hat aber nur eine Schullaufbahn! Und die unsachlichen Diffamierungen der Gegner gegen diesen Schulversuch schaffen auch nicht gerade Vertrauen in diese Politik. Abgesehen davon, dass viele Verbesserungen wie die kleinen Klassen mit Rechtsanspruch UND der Erhalt des Elternwahlrechts NUR durch den Widerstand von WWL erreicht wurden, die Schulreformer jetzt aber so tun als wäre dass eine Errungenschaft der Reformer!

  2. Dieses Pochen auf Studien zeugt von einer geringen Fähigkeit Dinge neu zu denken, man muss für neue Entwicklungen auch mal etwas wagen, sonst würden wir heute noch auf Bäumen sitzen und mit Fellen bekleidet sein. Wissenschaft ist stets „Weisheit im Nachhinein“, wenn wir es aber nicht versuchen, werden wir nie erfahren, welche positiven Auswirkungen ein längeres gemeinsames Lernen hat. Und nur weil es keine Studien gibt, heißt es nicht, dass es keine positiven Erfahrungen mit dem längeren gemeinsamen Lernen gibt! Viele Eltern der Gegenseite können sich offenbar überhaupt nicht vorstellen, dass Schule anders ablaufen kann, als sie selbst es erlebt haben, aber unsere Kinder heute benötigen andere Kompetenzen, als wir noch vor 20 Jahren. Das gemeinsame Lernen in leistungsheterogenen Gruppen fördert das soziale Miteinander und nicht nur den Wettbewerb zwischen den Schülern. Durch Erklären lernt der Mensch am meisten und vor allem am nachhaltigsten!
    Die Schulreform atet aus zu einem politischen Machtkampf, anstatt miteinander das Beste für unsere Kinder zu unterstützen. Besondern Herr Scheuerl scheint nur ans Gewinnen zu denken, wer Schülern das Demonstrieren verbieten möchte per einstweiliger Verfügung gehört nicht an die Spitze einer Elterninitiative!

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