Studienfinanzierung

Das Sommersemester steht vor der Tür und eintreten darf nur, wer bereits seinen Semesterbeitrag (und seine Studiengebühren) bezahlt hat.

„Für die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sind Unsicherheiten bei der Studienfinanzierung ein wesentlicher Grund, warum in Deutschland laut OECD nur 36 Prozent der jungen Erwachsenen ein Studium aufnehmen, gegenüber einem OECD-Schnitt von 54 Prozent.“ (Quelle: zeit.de)

Dabei hat die Politik doch von Beginn der Studiengebühren an (die zu den Semesterbeiträgen dazu kommen; wird gerne mal vergessen zu erwähnen) verkündet, dass Geld kein Hindernis sei, da es ja schließlich Studienkredite und Bildungsdarlehen gebe. Im Unterschied zum BaföG, welches gerade mal 17 % der Studierenden erhalten, sind diese allerdings nicht zinslos. Verschwiegen wird dabei auch, dass dort wo es Geld zu verdienen gibt, auf individuelle Lebensverläufe, gesellschaftliche Bedürfnisse und soziale Ungleichheiten keine Rücksicht genommen wird. Während simple Konsumkredite (Übersicht hier) mit Zinssätzen ab 3,0 % eff. Jahreszins zu haben sind, frei nach dem Motto

„… spielt keine Rolle wie du deinen Hunger stillst
das Geld das du nicht hast kauft dir das was du nicht willst!“
(Fantastische 4 „Populär“),

kann so ein Studienkredit schon mal auf 6,29 % eff. Jahreszins steigen. Größter Anbieter ist übrigens die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die glänzten im Rahmen der Bankenkriese damit, dass sie, nachdem sie wenige Minuten vor Insolvenz der Lehman Bros. dort 300 Millionen Euro versenkt hatten, wenige Wochen später die Kredite für Studienkredite auf 7 % eff. Jahreszins anhoben und das Limit der Zinssteigerung bei 9,2 % eff. Jahreszins deckelten. 300 Millionen Euro sind für den Bund natürlich Peanuts; schließlich hatte man , da systemrelevant,für die Bankenrettungbereit. Weniger systemrelevant scheint da die Bildung der kommenden Generationen zu sein. Die „demografische Rendite“ und einige Buchhaltertricks führten dazu, dass der Bund nicht einen Euro in die Hand nehmen musste um vermeintlich ambitionierte Bildungsinvestitionen vorzunehmen.

Zwar wurde versucht per Onlinepetition dafür zu sorgen, dass der Bildungsetat verdreifacht wird, allerdings darf bei einer Schwarz-Gelben-Regierung mit einer Bildungsministerin Schavan [ausführlicher Kommentar zu ihrer Politik] wohl nicht zu viel Hoffnung in den Staat gesetzt werden. Auch bin ich skeptisch, was die Umsetzung der Forderungen betrifft, die hamburger Studierende bei symbolischen Banküberfällen im Rahmen des Bildungsstreiks 2009 an die Regierung stellten.

Was aber bleibt den Studierenden von heute und morgen dann noch übrig? Private Studienkredite? Auch hier tun sich einige, neoliberale Abgründe auf. In einem Artikel auf zeit.de kann man nicht nur lesen, wie das möglicherweise mit der Schuldentilgung eines KfW-Kredits läuft, sondern erfährt auch, wie Studienkredite von Investmentfonds angeboten werden, die ihr „Humankapital“ dann auch schon mal veräußern, wenn es beschließt den Master an der falschen Uni zu machen. Zwar sind die Zinsen der KfW gegenwärtig auf

„2,03 % für den Bildungskredit und 3,62 % für den KfW-Studentenkredit“ runter, doch „trotzdem gilt: Man sollte Kredite nur wenn unbedingt nötig aufnehmen. Die Zinsen können auch wieder steigen.“ (Quelle: studis.online)

Share

~ von evolusin - 2010.März 24.

Eine Antwort to “Studienfinanzierung”

  1. […] das Geschäft und Besitz bestimmt die gesellschaftliche Stellung. Wer Geld hat macht mehr Geld; wer kein Geld hat, hat es schwer beim Wettrennen um die Leistungselite mitzuhalten. Warum machen wir das? Ist der Neoliberalismus eine Erfolgsgeschichte? […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: