Session Impression #ec10hh – Schulentwicklung Web 2.0

Die erste Session, die ich am Samstag des Hamburger EduCamps besuchte hieß „Schulentwicklung Web 2.0„. Angeboten wurde sie von Christian Grune, einem der Mitbegründer der Freien Schule Woltersdorf.

Zunächst wurde nach den Erwartungen der Sessionteilnehmer gefragt, die sich aus einem breiten, schulassoziierten Spektrum akquirieten. Vor diesem Hintergrund wurden Unterrichtsentwicklung, Lehrerqualifikation, Gestaltung der Inhalte im Schulprofil und die Form der Schulverwaltung bzw. Organisation genannt.

Während der Gründungsphase (ins Leben Gerufen durch eine Elterninitiative) wurde der oben verlinkte Blog zur Dokumentation eingerichtet. Parallel dazu gab es ein Wiki, in dem die Konzeptentwicklung stattfand.  Die Verwaltung laufe vollständig über Google Apps. Diesbezüglich eingeräumte Bedenken im Hinblick auf Datenschutz wurden eingeräumt, aber als nicht kritisch betrachtet. Statt dessen sehe man hier einen der Vorzüge, die man als freie Schule gegenüber staatlichen Schulen habe.

Im Unterricht finde das Thema Web 2.0 und Computer unter anderem seinen Niederschlag durch den Einsatz von Medienkoffern, die ihrerseits die Möglichkeit böten zum Beispiel kleine Filme oder Computerspiel zu entwerfen. Als Demonstration wurde ein kleiner, selbst gemachter, animierter Film gezeigt, der ein digitales Fotoprojekt „dokumentierte„.

Die Nachfrage, ob all die geschilderten Beispiele, vornehmlich auf der administrativ-konzeptuellen Seite, nicht auch ohne Web 2.0 Tools gegangen wäre, wurde damit beantwortet, dass es wohl auch ohne funktioniert hätte, dass der Workflow allerdings ungemein davon profitiere.

Ebenfalls wurde die Frage gestellt, wie es denn mit der Etablierung der umfassenden Computerbasiertheit grundsätzlich geklappt hätte. Schließlich gäbe es gerade im pädagogischen Feld, wie viele Sessionteilnehmer übereinstimmten, doch vermehrt Menschen, die der digitalen Entwicklung skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen. Die starke Einbindung von Blog, Wiki, Google Apps & Co. wurde als Top-Down-Vorgabe bei Schulgründung zugegeben. Letztendlich gäbe es natürlich auch in Woltersdorf Kollegen, die nicht eben Fans des Technikanteils seien, aber im Wesentlichen ließen sich die meisten Beteiligten durch den Mehrwert gegenüber Papier basiertem Arbeiten und Kommunizieren überzeugen.

Diese Erfahrung stützten auch zwei Beiträge von Sessionteilnehmern. Der erste kam von einem Elternratsvorsitzenden, der Berichtete, dass (auch per Top-Down-Prinzip) bei der Schule an der er wirke (über 1.000 Schüler) die gesamte Kommunikation mit den Eltern über Mailinglisten und Downloadformulare laufe. Im Schneeballsystem laufen die Mails zu den Klassenelternvertretern, die dann weiter streuen (und zurückmelden). Auf geäußerte Bedenken bzgl. Ausgrenzung von Familien, die aus welchen Gründen auch immer, nicht an diesem Verfahren partizipieren können,wurde darauf verwiesen, dass die jeweiligen Klassenelternvertreter jene Familien ja kennen würden und in diesem Fall selbstverständlich die Papierversion anböten. Auch gäbe es von allen Mitteilungen Papierversionen im Sekretariat zum mitnehmen, die Erfahrung habe aber gezeigt, dass die fast gar nicht in Anspruch genommen würde.

Ein Kollege von einem Gymnasium berichtete darüber hinaus, dass an seiner Schule versucht werde immer einen Mehrwert über die Web 2.0 Technik zu generieren. So würde der Vertretungsplan beispielsweise bereits am Vorabend im Netz stehen, so dass sich die Kollegen inhaltlich [und seelisch; Anm. Ich ;)] schon darauf vorbereiten könnten, anstatt erst morgens auf Papier am schwarzen Brett herauszufinden, wo sie welche Vertretung übernehmen. Wie so digitale schwarze Bretter in einer Schule aussehen können bzw. eingesetzt werden habe ich hier schon mal geschildert.

Bezüglich der früher geführten Datenschutzdebatte wurde dann noch geschildert von einem Sessionteilnehmer geschildert, dass eine virtuelle Darstellung von Verwaltung auf einem Server in Deutschland (im Gegensatz zu den Google-Servern in den USA, die entsprechend unter dortiges Recht fallen) mit entsprechenden Zugang per VPN-Clients über kommerzielle Anbieter sehr gut funktioniere. Die Anbieter würden sich schließlich Vertraglich zu einem Datensicherheit entsprechend der Datenschutzgesetze verpflichten.

Leider lief uns während des, wie ich fand sehr interessanten Austausches von Fragen/Bedenken und Erfahrungen, die Zeit davon. So blieb gegen Ende nur noch der Verweis, dass sich für die Evaluation von (digitaler) Schule sich easyeva.de anbiete.

Fazit: Eine spannende Session, die den Verdacht/die Befürchtung bestätigte, dass es gegenwärtig nicht nur bei Studierenden, sondern auch bei Eltern und Lehrern gegenwärtig keine Alternative zum Zwang zur Freiheit der Möglichkeiten des Web 2.0 zu geben scheint.

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PS: Wer bei der Session dabei war ist herzlich eingeladen Ergänzungen, Kritik und Verbesserungen zu posten.

~ von evolusin - 2010.Februar 11.

4 Antworten to “Session Impression #ec10hh – Schulentwicklung Web 2.0”

  1. […] Arne-Christian Beier: Session Impression #ec10hh – Kobito Dispatching, Aftercamp-Session 2.5 #ec10hh, Session Impression #ec10hh – Virtuelles Klassenzimmer mit standard web 2.0 Tools, Session Impression #ec10hh – Schulentwicklung Web 2.0 […]

  2. Ich oute mich mal als jemand, der „der digitalen Entwicklung skeptisch bis ablehnend gegenüber“ steht. Wozu braucht der digitale Vertretungsplan Web 2.0? Der funktioniert in den meisten Schulen auch mit Web 1.0 wunderbar. Schließlich möchte ich mich nur informieren und nicht noch meinen Kommentar hinterlassen. Mailinglisten und Downloadformulare haben m. E. ebenfalls wenig mit Web 2.0 zu tun. Auch für die Nutzung eines Medienkoffers brauche ich kein Web 2.0, der lässt sich stationär wesentlich besser benutzen.
    Davon abgesehen finde ich es skandalös, dass man als öffentliche Einrichtung – offensichtlich weitestgehend unkritisch – auf Dienste der Datenkrake Google zurückgreift. In der Regel haben Schulen doch ihren eigenen Server, auf dem dann entsprechende Software installiert werden kann (z. B. moodle oder Ähnliches).

  3. Bei dem Vertretungsplan und den Mailinglisten handelte es sich um Erfahrungsberichte der Sessionbesucher. Im Falle des Vertretungsplans lag der Vorteil auf der früheren Verfügbarkeit und der damit verbundenen Möglichkeit sich noch auf die Vertretungsstunde vorzubereiten.
    Den digitalen Elternbriefen wurde der Vorteil zugesprochen, dass die Papierversion durch die Schüler oft nicht in Richtung Eltern oder, so es sich um etwas zu unterschreibendes handelte, an die Lehrer weitergeleitet wurde.
    Die Bedenken bzgl. Google wurden auch in der Session geäußert.
    (Siehe auch den Vorschlag mit dem deutschen Server und der VPN-Verbindung!) Es wurde eingeräumt, dass dies a) nur möglich sei, weil man eine freie Schule sei und b), dass dies datenschutzrechtlich natürlich bedenklich sei. Unabhängig davon sei die Handhabbarkeit von Google-Apps allerdings um ein vielfaches zufriedenstellender als den Betreibern bekannte offizielle Verwaltungssoftware.

    • Die Vorteile von Online-Vertretungsplänen und Mailinglisten liegen auf der Hand und wurden ja weiter oben schon ausführlich dargelegt. Zweifelhaft erschien mir nur, dass man praktische Dinge, die es schon lange vor Web 2.0 gab, jetzt plötzlich als Vorteil von Web 2.0 anpreist. Das mag auch damit zusammenhängen, dass ich den Begriff Web 2.0 falsch verstehen. M. E. hat Web 2.0 immer etwas mit Interaktivität und/oder User Generated Content zu tun. Man möge mich korrigieren, wenn ich da falsch liege. Die Frage, worin der Mehrwert von Web 2.0 („Blog, Wiki, Google Apps & Co“) gegenüber Papier basiertem Arbeiten besteht, bleibt leider offen.

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