Food 4 the Masses? Etablierung von Vorhandenem (und Zukünftigem)! (Session @ #ec10hh)

Mein erstes Barcamp, mein erstes EduCamp und gleich meine erste Session angeboten; eine rundherum tolle Erfahrung!

Unter dem Titel dieses Threads habe im Forum des EduCamps meine Ausgangsmotivation und Gedanken geschildert.

Am Freitagabend dachte ich mir dann noch, dass ich ja nicht ganz mit leeren Händen (oder besser leerem Bildschirm) auftauchen kann und habe als Gesprächsstarter diese Mindmap (PDF) erstellt.

Mind-Map zur gleichnamigen Session auf dem EduCamp in HH 2010In einer kleinen aber sehr angenehmen Session, deren Verlauf ich jetzt versuche wieder zu geben wurde dann diskutiert.

Zunächst wurde festgestellt, dass viele Studierende noch einen nicht nachvollziehbaren Papierkonservatismus an den Tag legen. Als Königsweg wurde das Überzeugen von Studierenden und Professoren durch „Best Practise Beispiele“ betrachtet, der aber nur sehr selten tatsächlich gefunden werde. Ein Beispiel aus der Runde berichtete von einer Einführungsveranstaltung, die, da verpflichtend, ihren Seminarteilnehmern zwar keine alternative zu den Mitteln ließe, dafür aber bei den Inhalten eine größtmögliche Freiheit gewährte. Alternativ brachte jemand aus der Runde verschiedene Beispiele, in denen von Fall zu Fall wahlweise das web 2.0 oder Althergebrachtes für Studierende der einsichtigere Lösungsweg war. Hier hatten wir auch wieder den Bezug zur Ausgangsfrage, dass Studierende die Vorteile erst erkennen müssen.Wenn z.B. über Weihnachten eine Gruppenpowerpoint erstellt werden muss, aber alle zu ihren Eltern gereist sind, dann bleibt immer noch die Möglichkeit z.B. über Google Docs und einem Tutorial-Wiki die Distanz zu überbrücken und trotzdem am ersten Tag nach den Ferien die Präsentation fertig zu haben.

Auch die Notwendigkeit von Türöffnern zu aktuellen Medien wurde thematisiert. Mit Aussagen wie,  Cem Özdemir hat bei Facebook was auf meine Seite geschrieben, Beyonce folgt mir bei Twitter, bei der letzten Republica habe ich via Twitter den miesen Vortrag von Jimmy Wales kommentiert und große Zustimmung erfahren oder einfach unser Uni-Präsident führt gerade auf meinem Blog eine Diskussion mit mir über die Verwendung von Studiengebühren (kommt ja vielleicht noch ;)) mögen zunächst oberflächlich erscheinen, sind aber als Wegbereiter nicht zu unterschätzen.

Einstimmigkeit herrschte in der Session auch, dass es notwendig ist, Lehrende als Multiplikatoren entsprechend zu schulen. Dem gegenüber wurde das Beispiel einer Archäologieprofessorin genannt, die ihre Veranstaltung ausschließlich über einen Blog begleitet und die Studierenden sozusagen nötigt, sich mit den digitalen Anforderungen zu arrangieren.

Prof.:Wenn Du es aus einem Buch hast, dann scan es ein!Studi:Ich hab keinen Scanner!Prof.:Im Medienzentrum stehen welcheStudi:Ich weiß nicht wie das geht!Prof.:Dann finde eine Lösung!

Im Gegensatz zu der Scheinverweigerung bei den Studierenden war allerdings bei den Lehrenden kein Hebel bekannt, den man ansetzen könnte.

Interessant war auch die Schilderung, dass eine Studierende, darauf angesprochen, dass sie eine Nachfrage nicht im Forum, sondern im Seminar stelle, erwiderte, dass durch die Publikmachung ihres Namens, fürchtete in Social  Networks gestalkt zu werden. Allerdings stimmten die Sessionteilnehmer darin überein, dass die Studierenden, die in Seminaren nicht den Mund aufmachen, derartig defensive Strategien wohl auch auf das Netz übertragen würden. Mit anderen Worten, weniger das Medium, sondern vielmehr die Person sind entscheidender Faktor.

Aus dem letzten Beispiel ergab sich allerdings folgendes Gedankenspiel für eine Seminargestaltung:

  • es werden sowohl systemische Zwänge (Scheine, Bewertung, etc.) offen gelegt, als auch vom Lehrenden Vorstellungen, die natürlich begründet sein sollten
  • zu Beginn des Semesters wird für Anonymität gesorgt um Hemmungen abzubauen
    • So sieht der Lehrende zwar, dass sich auf der begleitenden Plattform Glücksbär 1-25 (entsprechend der Menge der Seminarteilnehmer) angemeldet haben, aber nicht, welcher Studierende sich hinter welchem Account verbirgt
  • eine breites Spektrum an Tools wird vorgestellt und durch elementare Grundwissensvermittlung eingeführt
  • Studierende und Lehrender erarbeiten gemeinsam Scheinkriterien
    • qualitativ sollte zum einen die persönliche Entwicklung Maßgeblich sein (wer schon vorher Mitglied des CCC war darf nicht mit jemanden verglichen werden, der Zwecks Studium von einem weißen Fleck auf der DSL-Landkarte in die Stadt gezogen ist), zum anderen könnten sich pluralistische Kriterien anbieten; letztendlich muss das aber jedes Seminar für sich erarbeiten
    • quantitative Kriterien wurden in der Session eher kritisch betrachtet; Vorgaben wie: „Während des Semesters müsst Ihr einen Blogartikel, ein Wiki-Eintrag, zwei Kommentare und fünf Tweets gemacht haben.„, wurden als nicht ziel führend betrachtet
  • aus diesem Vorgehen ergibt sich die Möglichkeit, dass Admin/Lehrender ins Forum schreiben kann: „Glücksbär 4, Kriterium XYZ liegt von Dir noch nicht vor. Was ist das Problem?“ oder Glücksbär 18 im Blog kommentieren kann: „Die Position von Glücksbär 7 in dem Artikel zu web2.0 im Studium teile ich nicht. Ich finde persönliche Auseinandersetzung viel besser.
    • in diesen Beispielen Glücksbär 4 zwar einerseits an systemische Vorgaben erinnert und wird gleichzeitig mit einem Hilfsangebot konfrontiert, ohne, dass persönliche Bloßstellung befürchtet werden müßte
    • das mögliche Problem von Glücksbär 4 könnte von Glücksbär 18 beantwortet werden, der kooperative Charakter bzw. Vorteil dieser Vorgehensweise würde selbsterklärend, …
    • …, denn Glücksbär 18 zielt trotz aller Vorbehalte, die er im Blog geäußert hat auf eine „gute Note“ Anerkennung
    • Glücksbär 7 braucht offensichtlich nicht überzeugtzu werden, hat aber Raum bekommen sich zu entwickeln, Glücksbär 4 werden Hemmungen genommen und erhält ebenfalls Raum zur Entwicklung, Glücksbär 18 – Gotcha! Obwohl skeptisch, hat Glücksbär 18 einen Weg gefunden seine Interessen (Kritik an der blöden Digitalisierung der Gesellschaft, Profilierung vor anderen) im web2.0 zu Verwirklichen
  • am Ende des Semesters muss sich jeder Studierende zwecks Scheinvergabe (systemischer Zwang) dem Lehrenden und nur dem zu erkennen geben (Glücksbär 18 war in wirklichkeit Studierender XYZ)
    • Zweifel an der Identität können schnell durch demonstrierte Log-Ins oder Schilderungen, wie die während des Semesters durchgeführten Aktion gemacht wurden ausgeräumt werden

Fazit der Session: Den Zwang zur Freiheit konnte leider auch wir nicht in 45 Minuten überwinden, aber wir hatten eine (wie ich fand) sehr produktive und konstruktive Diskussion in der (s.o.) Denkansätze entstanden sind, die sich weiter verfolgen lassen.

(Mit einem der Sessionteilnehmer und einem weiteren Besucher des EduCamps hatte ich später noch eine sehr schöne Aftercamp-Session 2.5)

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PS: Wer in der Session dabei war ist natürlich herzlich dazu eingeladen mich zu ergänzen, zu verbessern oder …

~ von evolusin - 2010.Februar 9.

5 Antworten to “Food 4 the Masses? Etablierung von Vorhandenem (und Zukünftigem)! (Session @ #ec10hh)”

  1. […] die ich hier auch kurz zusammenfassen möchte und die inhaltliche etwas an der “Food 4 the masses?” Session […]

  2. Sehr interessant. Ich möchte dringend raten mal Google Wave anzuschauen. Es ist uber-Tool zum gemeinsamen Arbeiten. Zur Zeit ist es in der public beta und invite-only, lade dich daher einfach mal ein…

    Bei Wave handelt es sich um ein Protokoll, es erweitert die vorhanden Internet-Services und benötigt nicht Google’s Infrastruktur. Nur falls Datenschutz bedenken aufkommen. Die gibt es bei Wave, aber das hat nichts mit Google zu tun.

  3. […] This post was mentioned on Twitter by EvoluSiN, Georg Klingenberg. Georg Klingenberg said: Food 4 the Masses? Etablierung von Vorhandenem (und Zukünftigem … http://bit.ly/bfH8YF […]

  4. […] spannende Session, die den Verdacht/die Befürchtung bestätigte, dass es gegenwärtig nicht nur bei Studierenden, sondern auch bei Eltern und Lehrern gegenwärtig keine Alternative zum Zwang zur Freiheit der […]

  5. […] – “Food for the masses“ […]

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