Wissenschaftliche Publikation, ihre Verwendung und das Urheberrecht

Noch bis zum 22. Dezember 2009 kann hier eine e-Petition des deutschen Bundestages gezeichnet werden, die die freie Verfügbarkeit staatlich geförderter, wissenschaftlicher Publikationen fordert.

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein müssen. Institutionen, die staatliche Forschungsgelder autonom verwalten, soll der Bundestag auffordern, entsprechende Vorschriften zu erlassen und die technischen Voraussetzungen zu schaffen.

Begründung

Die öffentliche Hand fördert Forschung und Entwicklung nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung jährlich mit etwa 12 Milliarden Euro. Die Ergebnisse dieser Forschung jedoch werden überwiegend in kostenpflichtigen Zeitschriften publiziert. Es ist nicht angemessen, dass der Steuerzahler für die von ihm finanzierten Forschungsergebnisse erneut bezahlen muss.

Wegen der hohen Kosten und der Vielzahl wissenschaftlicher Zeitschriften sind Forschungsergebnisse nur in wenigen Bibliotheken einsehbar. Den meisten Bürgern ist der Zugang zu der von ihnen finanzierten Wissenschaft dadurch nicht nur erschwert, sondern de facto ganz verschlossen.

Den Bürger von der Wissenschaft auszusperren ist nicht nur schädlich, sondern auch unnötig. Andere Länder haben vergleichbare Vorhaben bereits umgesetzt. Die US-Amerikanische Behörde National Institutes of Health (NIH) verlangt, dass alle von ihr finanzierten Publikationen binnen 12 Monaten an einem zentralen Ort öffentlich zugänglich sind. Die grundsätzliche Struktur des wissenschaftlichen Publikationswesen verändert sich hierdurch nicht.“

So nahe liegend diese Forderung erscheint, so verwunderlich ist es, dass sie überhaupt gestellt werden muss. Tatsächlich wird nicht nur die außer universitäre Öffentlichkeit durch monäre Grenzen vom aktuellen Stand der Wissenschaft ferngehalten, sondern auch Studierende werden beim Anknüpfen an eben jene Forschungsergebnisse massiv behindert. Nach einem Urteil des OLG Frankfurt (PDF) führt jedes Ausdrucken oder digitales Kopieren, urheberrechtlich geschützter, wissenschaftlicher Werke, an elektronischen Terminals in Universitäten zur Zahlung „eines Ordnungsgeldes von 250.000,00 € an dessen Stelle im Falle der Uneinbringlichkeit eine Ordnungshaft von bis zu 6 Monaten tritt“ (Quelle: siehe Urteil).

Klingt wahnsinnig? Ist es auch!

Besonders wenn man bedenkt, dass die Schwarz-Rote Bundesregierung ursprünglich angekündigt hatte das Urheberrecht „wissenschaftsfreundlich“ umzugestalten. Auch die Einrichtung der Europäischen Digitalen Bibliothek hätte da hoffnungsfroh stimmen können. „Als “wissenschaftsfreundlich” wurden jedoch in der Folgezeit nur die Verlagsinteressen interpretiert, die mit der Publikation öffentlich geförderter Forschung Geld verdienen und dann der Wissenschaft deren eigene Forschungsergebnisse überteuert “zurückverkaufen.”“ (Quelle: tauss)

Verlage kauften ihnen [den Wissenschaftlern; Anm. Ich] oft die Exklusivrechte für ihre Werke ab und vertrieben sie dann in Fachmagazinen und Büchern. Nicht einmal auf der eigenen Homepage dürfen die Wissenschaftler diese Texte dann noch publizieren. Und die Verlage verlangten seit Mitte der 90er immer höhere Preise für ihre Titel – sodass Bibliotheken ihre Abos aus Geldgründen reihenweise kündigten.“ (Quelle: taz)

Diese Praxis führt dazu, dass Studierende weiterhin Kopierkosten für die Reader zu ihren Seminaren bezahlen müssen, die Texte von dem Dozenten eben dieses Seminars enthalten – verpflichtend und trotz Studiengebühren. Aber auch beim erstellen von Online-Lehrmaterialien, Präsentationen und Diplom-, Magister-, Bachelor-, Master- und Hausarbeiten liegt die Strafanzeige mit etwas Pech nur wenige Wörter entfernt. Einen Überblick über rechtliche Rahmenbedingungen des wissenschaftlichen Zitierens hat Lernen 2.0 in diesem (PDF) zusammengestellt.

Aber es gibt auch erste Konzepte, die einen Ausweg aus dieser Misere suchen.

Meinen persönlich favorisierten Gedanken habe ich unter dem Titel „Das Wissenschaftliche Endlager“ ja bereits ausgeführt. Mit der Veröffentlichung meiner Facharbeit (Abschlussprüfung zum Heilerzieher) und der ein oder anderen Modulabschlussprüfung während des Studiums bin ich bereits meiner Forderung nachgekommen und möchte dazu ermuntern meinem Beispiel zu folgen.

Ein weiteres Modell präsentiert die Uni-Hamburg mit Hamburg University Press, einem hauseigenem Open Access Verlag.

Alle Publikationen stehen online zur freien Lektüre und zum kostenlosen Herunterladen auf den Verlagswebseiten zur Verfügung. Die Werke werden in der Regel zusätzlich im Print-on-Demand(PoD)-Verfahren als Hardcover in sehr guter Qualität gedruckt. PoD ist für wissenschaftliche Publikationen von großem Vorteil: Gefertigt wird bei Bestellung. So müssen keine großen Auflagen produziert werden und der Titel ist niemals vergriffen.“ (Quelle: Stabi)

Auf der Plattform Paper C können diverse wissenschaftliche Publikationen kostenlos und in Gänze Online gelesen werden. „Erst, wenn die Nutzer einzelne Seiten herunterladen, ausdrucken oder als personalisiertes PDF mit eigenen Notizen und Zitaten innerhalb des Dokumentes abspeichern wollen […] fällt eine Gebühr von zehn Cent pro Seite an. […] Dass PaperC auch den Verlagen finanzielle Vorteile bringt, verdeutlichen die Plattformgründer anhand von Zahlen der Verwertungsgesellschaft Wort. „Studenten geben jährlich zwischen 40 und 60 Euro für Fachbücherkopien aus. Das ergibt in Deutschland insgesamt einen Markt von 100 Mio. Euro pro Jahr. Für eine einzelne Kopie, die im Schnitt zwischen 0,05 und 0,10 Euro kostet, erstattet die VG Wort nur cirka 0,01 Euro an die Verlage zurück. Bei PaperC erhalten die Verlage aber 4,2 Cent pro Kopie“, rechnet Fröhlich [Geschäftsführer Paper C; Anm. Ich] vor.“ (Quelle: der standard)

Es ist nicht nur an der Zeit für freie Bildung auf die Straße zu gehen, sondern auch selber neue Wege zu beschreiten!

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~ von evolusin - 2009.Dezember 15.

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