Bildungsetat mit „demografischer Rendite“

In den letzten Zügen der Bundestagswahl 2009 fragten sich viele, warum beim TV-Duell der beiden Kanzlerkandidaten das Thema Bildung ausgespart wurde. Möglicherweise war trotzt Wahlplakaten der beiden (Volks)Parteien, die mit Lippenbekenntnissen den Tenor des Bildungsgipfels vom 22. Oktober 2008 in Dresden beschworen, die jüngere Farce des Konjunkturpaketes 2 der Grund für diese Auslassung.

Ein Jahr nach dem Zeit.de Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Gipfels hatte, übertreffen sich die Finanzminister nun selbst beim Thema Bildungsinvestitionen. Dank Wirtschaftskrise sind absolute Ausgaben im Bezug auf das Brutto Inlands Produkt (BIP) als Maßstab automatisch höher. Zusätzlich werden die Zuordnungen in den Bildungsetat neu definiert. Kindergeld für Volljährige, geringere Steuern auf Bücher, Lehrerpensionen und private KITAs sind in der Wahrnehmung der Finanzminister Konferenz (FMK) auch irgendwie Bildungsausgaben. Wenn man dann noch die „demografische Rendite“ [welche ich hiermit offiziell als Unwort des Jahres nominiere] berücksichtigt, was simpel ausgedrückt soviel bedeutet wie, dass wir in diesem Land immer weniger junge Menschen haben und deshalb ja auch nicht so viele Schulen brauchen, hinzunimmt, dann hat man die Bildungsinvestitionen weit über die verabredeten Ziele hinaus erhöht, ohne, dass auch nur ein Euro ausgegeben wurde. (vgl. SPON)

So läßt sich dann auch Ernst Dieter Rossmann, bildungs- und forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, auf bildungsklick.de zitieren:

Wer wie die Union und FDP nur auf Bestenauslese, mehr Gebühren und mehr privates Bildungskapital setzt und für die gravierenden sozialen Ungleichheiten im Bildungssystem blind bleibt, verschärft die sozialen Schieflagen nicht nur in der Bildung, sondern in unserer Gesellschaft insgesamt. Vom Bildungsgipfel muss mehr übrig bleiben als leere Versprechen und Taschenspielertricks.

Nun muss es der BRD nur noch gelingen die gesellschaftliche Überalterung voranzutreiben, damit die „demografische Rendite“ sich soweit auszahlt, dass wie überhaupt keine Schulen mehr brauchen und das Geld nutzen können um die Halden der Automobilindustrie leer zu kaufen.

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~ von evolusin - 2009.Oktober 23.

Eine Antwort to “Bildungsetat mit „demografischer Rendite“”

  1. […] kann so ein Studienkredit schon mal auf 6,29 % eff. Jahreszins steigen. Größter Anbieter ist übrigens die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die glänzten im Rahmen der Bankenkriese damit, dass sie, nachdem sie wenige Minuten vor Insolvenz der Lehman Bros. dort 300 Millionen Euro versenkt hatten, wenige Wochen später die Kredite für Studienkredite auf 7 % eff. Jahreszins anhoben und das Limit der Zinssteigerung bei 9,2 % eff. Jahreszins deckelten. 300 Millionen Euro sind für den Bund natürlich Peanuts; schließlich hatte man , da systemrelevant,für die Bankenrettungbereit. Weniger systemrelevant scheint da die Bildung der kommenden Generationen zu sein. Die “demografische Rendite” und einige Buchhaltertricks führten dazu, dass der Bund nic…. […]

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