Lernen vs. Macht – Auswege aus der Krise

Während ich mich durch die Literatur zu meiner Hausarbeit über kritische Psychologie arbeite, bin ich auf folgende Aussage des Begründers, Klaus Holzkamp, gestoßen:

Es muß begriffen werden, (und wird gelegentlich vielleicht schon begriffen), daß man es sich künftig nicht mehr leisten kann, zur Durchsetzung/Erhaltung lokaler Machtstrukturen das Lernen zu reglementieren, die Lernenden in die Defensive zu drängen und damit die für die Lösung unserer Probleme dringend notwendigen geistigen Ressourcen zu verschleudern.“ (Quelle PDF)

Wie um diese Aussage Holzkamps aus einem Interview von Rolf Arnold zu untermauern, die bereits 1996 publiziert wurde, treten gegenwärtig die Bertelsmann Stiftung und der Deutsche Lehrerverband gegeneinander an. Erstere zitiert in einem Artikel bei SPON Pisa-Chef Andreas Schleicher mit den Worten: „Sitzenbleiben bringt dem Schüler nichts und ist außerdem ineffizient. Dieser Unsinn ist nämlich ziemlich teuer„, während Zweitere durch Verbandspräsident Josef Kraus in einem Beitrag auf bildungsklick.de verlauten lassen: „Das Problem des Sitzenbleibens und dessen Kosten werden maßlos überschätzt. Die sogenannte Durchfallerquote kann zwar durchaus halbiert werden, wenn man nämlich den Schulen zusätzliche Förderstunden zur Verfügung stellt. Für Schüler aber, die am Ende des Schuljahres in mehreren Kernfächern mangelhafte Leistungen haben, wäre ein Aufstieg in die nächsthöhere Klasse eine krasse Fehlinvestition.

Mag sein, dass es an der Weltwirtschaftskrise liegt, dass beide dieses wichtige Thema von der finanziellen Seite her aufziehen. Bedauerlich ist diese Perspektive meiner Meinung nach dennoch. Zum Thema Krise noch mal Holzkamp:

Die Entwicklung der Lernkultur ist so gesehen ein Teilaspekt der Entwicklung von Bedingungen, unter denen die Menschen willens und fähig sind, ihre Angelegenheiten in die eigene Hand zu nehmen, also der Entfaltung wirklich demokratischer Verhältnisse: Dies ist m.E. künftig immer weniger eine Frage der poliischen Richtung und immer mehr eine Frage des Überlebens von uns allen.“ (Quelle: s.o.)

Kurz vor einer Bundestagswahl etwas, über das es sich nachzudenken lohnt.

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~ von evolusin - 2009.September 8.

5 Antworten to “Lernen vs. Macht – Auswege aus der Krise”

  1. […] Olaf Kleinschmidt in einem Interview auf taz.de liest sich wie eine konsequente Fortführung meines gestrigen Artikels. Allerdings geht es in dem Interview konkret um die Etablierung von Web 2.0 gestütztem Unterricht. […]

  2. […] und -bewertungen.“ [Wenn das Sitzenbleiben schon abgeschafft wird, könnte, im holzkampschen Sinne, auch gleich auf Notengebung verzichtet […]

  3. […] in der Kritischen Psychologie Ähnlich wie hier handelt es sich auch bei dem folgenden um ein Fundstück bei meiner Recherche zu meine Hausarbeit […]

  4. […] fühlte ich mich durch die Lerntheorie Klaus Holzkamps, dem Begründer der Kritischen Psychologie. Hier und dort habe ich ja bereits auf den Entstehungsprozess dieser Hausarbeit hingewiesen, die ich hier […]

  5. […] Keine Wiederholung einer Klasse und weniger Abschulung […]

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