Real Virtuality – Computerspielsucht

Ja, ein witziges Video! Und doch; es trägt auch eine Nachricht zum Nachdenken. Die gegen Ende gezeigte Selbsthilfegruppe ist oft (wenn überhaupt) die einzige Möglichkeit für Menschen, die unter Kontrollverlust in der Mediennutzung leiden [ich mag Internetsucht als Begriff nicht] Hilfe zu finden. Auch wenn bei diesem Thema anzunehmen ist, dass Interpretation und Wertung von stark gesteigertem Mediennutzungsverhalten wohl massiv durch das persönlich Verhältnis zum Gegenstand geprägt sein dürfte (Stichwort: DigitalNative vs. Digital Immigrant), so bleibt doch festzuhalten, dass es Mediennutzer gibt, die der Hilfe bedürfen.

Aus diesem Grund berichtet ein Artikel auf heise.de von der Forderung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzig, mehr Therapiemöglichkeiten für Computerspielsüchtige zu schaffen. [Immerhin bietet sie neben acht Social-Networks auch ein Handy-Game auf ihrer Seite an]

Schwierig dabei ist, dass der pathologische Begriff der Sucht in diesem Fall von der WHO noch nicht anerkannt ist. Deshalb ist dies auch eine der Forderugen eines Antrags des Bundestages an die Bundesregierung (PDF). Dort wird ebenfalls eingeräumt, dass „Das Ursache- und Wirkungsgefüge [..] jedoch noch weitgehend unerforscht“ sei.

Die dort aus der JIM-Studie zitierten Zahlen, denen zufolge mehr Jugendliche im Alter von 12-19 Jahren einen eigenen Rechner als Fernseher in ihrem Zimmer haben, halte ich allerdings eher für zeitgemäß und bestenfalls für eine negativ Referenz auf das Fernsehen, als ein allermierendes Signal.

Genauso kann ich zwar ein gewissen Verständnis für Eltern aufbringen, deren Kinder sich ausschlieslich und zu Lasten von Schule und sozialen Beziehungen in World of Warcraft oder ähnlichem rumtreiben, halte es aber für nicht sachdienlich Sätze wie: „Der Missbrauch von elektronischen Medien soll so unpopulär wie Alkohol- und Drogenmissbrauch werden“ (Quelle: Header von Aktiv gegen Mediensucht e.V.) ins Feld zu führen. Erstens ist Alkohol auch eine Droge und zweitens hat Prohibition noch nie zu einer Lösung geführt. Wie bei allen Süchten muss auch hier auf Aufklärung, Klärung der Hintergründe und Hilfestellung gestzt werden.

So sollten sich Interessierte dann meiner Meinung nach auch lieber an die Uni-Mainz wenden, die nicht nur das Präventions- und Interventionsprogramm „Internet- und Computerspielsucht“ – „Exzessive Computernutzung: Medienkompetenz versus Spielsucht“ inklusive Chekliste für Eltern und Selbsttest anbietet, sondern auch eine Ambulanz für Computerspielsucht anbieten.

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~ von evolusin - 2009.August 1.

Eine Antwort to “Real Virtuality – Computerspielsucht”

  1. Hier gibt es ein Interview mit dem Psychologen Kai Müller, der in der Mainzer Ambulanz arbeitet:
    http://onlinejournalismus.wordpress.com/2008/12/03/zu-besuch-bei-der-ambulanz-fur-spielsucht/

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