Digitale Evolution – Das Mängelwesen Mensch im Netz: Meine Modulabschlussprüfung (Edit)

Der Ursprung dieses Blogs ist in „Behind the Scenes“ beschrieben. Gestern hatte ich nun meine Modulabschlussprüfung des Moduls „Einführung in die Erziehungswissenschaft“. Zeitvorgabe waren zehn Minuten.

Im Folgenden findet Ihr das Manuskript meines Vortrags. Einziger Einwand der Prüfer war, dass mein Vortrag etwas zu „hypertextlich“ war und etwas weniger mehr gewesen wäre.Die technischen Randnotizen sind orange, die on Screen Zitate kursiv geschrieben.

Vorbereitung: Kommunikation in Suchmaske eingeben; Instinktreduktion und Weltoffenheit markieren

Herzlich willkommen meine Damen und Herren!

„Digitale Evolution – Das Mängelwesen Mensch im Netz“

Der Titel meines Readerbeitrags soll uns auf zwei Ebenen in diesem Vortrag beschäftigen. Zum einen werde ich Inhaltlich anthropologische Grundeigenschaften der Menschheit skizzieren. Dabei werde ich versuchen heraus zu arbeiten, wo es Entsprechungen in der digitalen Evolution zur biologisch/soziologischen Entwicklung des Menschen gibt.

Zum anderen wird dieser Vortrag durch meinen Blog führen und so nicht nur Anreiz zur Vertiefung des Vorgestellten geben, sondern eben eine solche Entsprechung sein.

Um uns allen die gleiche Ausgangsposition zu geben beginne ich deshalb mit der digitalen Version des Readerbeitrags, der Ihnen bereits in Papierform vorliegt.

Blog aufziehen: Artikel Digitale Evolution

Zu Beginn schrieb ich vom Mängelwesen.

Im biologischen Kontext ist der Mensch dies nicht erst, seit dem Arnold Gehlen ihn 1940 so nannte, sondern seit dem er Mensch ist. Der Instinktreduktion wird die Weltoffenheit entgegengesetzt.

Weltoffenheit – das bedeutet räumliche und damit auch soziale Ausdehnung.

Die soziale Ausdehnung, der Vorteil der Gruppe, beschreibt zum Beispiel Jean-Jaques Rousseau in

„Emile oder über die Erziehung“ (klick)

Durch Handwerk helfen sich Menschen gegenseitig. Der eine kann nicht ohne den anderen.

Jedwede Zusammenkunft von Menschen, gleich ob in Person oder über Distanzmedien, ist immer ein kommunikativer Akt.

Suchen: Kommunikation -> Transmission + Kommunikation

In der Kommunikation transportieren wir Wissen. Hierbei ist nicht nur die räumliche Komponente, also der Aspekt des direkten sozialen Austausches, von Bedeutung, sondern eben auch die zeitliche Komponente.

Scroll zu Bild

Im Bestreben der Arterhaltung gibt der Mensch Wissen an folgende Generationen weiter.

In der Steinzeit: Wild töten = wichtig, weil überleben; am besten irgendwo notieren, wo man es nicht vergisst und auch die lieben kleinen es finden; aber wo? Höhlenwand! Klasse Idee, reicht völlig aus und widersteht dem bildungskritischstem Mammut.

Oder in der Graphosphäre von Beginn des 15. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts  durch Bücher. Anschließend sagte dann ein Bild mehr als tausend Worte.

Wie ist es heute im 21. Jahrhundert?

(klick) Raum ist bedeutungslos geworden

Wie der französische Philosoph und Literaturtheorethiker Jean-Francois Lyotard bereits 1979 in “Das postmoderne Wissen – ein Bericht” vermutete.

Zitat: “Man kann vernünftigerweise annehmen, daß die Vervielfachung der Informationsmaschinen die Zirkulation der Erkenntnisse ebenso betrifft und betreffen wird, wie die Entwicklung der Verkehrsmittel zuerst den Menschen (Transport) und in der Folge die Klänge und Bilder (Medien) betroffen hat.”

Aber zurück zur Wissensweitergabe!

Tab back Transmission + Kommunikation

Die Weitergabe von Wissen lässt sich auf die Kapitaltheorie des Soziologen Pierre Félix Bourdieu übertragen, die ich hier wohl als bekannt voraussetzen darf.

klick „hier“ zu Beginn des Artikels

Er geht davon aus, dass

Klick Mindmap

Umwandlung und Weitergabe von z.B. Wissen immer mit einem Schwundrisiko und Verschleierungskosten einhergehen.

klick: Tab schließen -> zurück zu  T + K; scroll ->

So wandert das Wissen durch die Mediosphären. Es wird weitererzählt, aufgeschrieben, verfilmt und geblogt.

Mediosphären – den Vergleich Höhlenwand und Buchdruck habe ich bereits gezogen, aber wo führen uns die Mediosphären hin?

Klick: Mediosphären; srcoll zur Mitte

Sie führen uns zur Mediologie und damit zu Regis Debray, welcher der Begründer dieser, als eine Entwicklung der 90er des 20. Jahrhunderts noch recht jungen Wissenschaft, ist.

Die Mediologie vermittelt zwischen der technischen Art einer Informationsübertragung (Statue, Buch, Twitter, …), der Bedeutung der Information (epochales Menschenbild, Grundwissen, aktuelles Zeitgeschehen, …) und der Auswirkung auf eine Gesellschaft (Körperkult, Bildungswesen, nicht in Schulen gehen, an denen gerade ein Amoklauf stattfindet, …). Die Mediologie “versteht sich grenzüberschreitend, sich quer über die etablierten Institutionen und Nomenklaturen hinwegsetzend.”

Klick [1]; scroll -> 3. Medien & Gesellschaft/Millieu (2. drittel)

Die Art und Weise des Denkens einer Gesellschaft (und folglich auch ihres Handelns) läßt sich nicht trennen von den jeweils zur Verfügung

stehenden Medien.

Klick: Back

Denken! Ideen! Wissen!

Diese Weitergabe ist kulturelle Evolution! Sie ist:

Scroll zu Beginn

Memetik!

Von Richard Dawkins mit seinem Buch: „The Selfish Gene“ begründet ist sie

Klick Memetik

die Lehre von der Beschaffenheit und Wirkungsweise von so genantem Memen als Träger der kulturellen Entwicklung in Analogie zur biologischen Evolution und der Genetik.“

Das Wort Mem beschreibt die kleinste „Einheit von Ideen“, aus denen unser Bewusstsein aufgebaut ist, und die von einer Person zur nächsten weitergegeben werden können.

Tab schließen, „Alles was es braucht …“ schließen -> „T+K“

Ideenweitergabe – kommen wir zu den klassischen Ideenweitergebern einer Gesellschaft!

Das Wissen wird in Gesellschaften in tradierter Form meist durch Lehrpersonen  vermittelt. Eltern, Dorfälteste, Erzieher, Lehrer – alle diese Lehrpersonen wurden bisher meist als eine Art Träger von Wissen verstanden.

Während der antike Atlas noch die gesamte Welt auf seinen Schultern trug, erscheint es zu Beginn des 21. Jahrhunderts  illusorisch, dass einzelne Menschen solch einer tragenden Rolle noch gerecht werden können.

Wir können nicht mehr, so wie einst Faust, alles Wissen.

Ist unser Latein also am Ende?

Das biologische Mängelwesen Mensch muss seine Umwelt wieder neu gestalten, neue Gruppen müssen sich organisieren und zu dem Zweck der wiederholten Umweltmodifikation benötigen die Menschen entsprechende Handwerke und Werkzeuge.

Vor dem Hintergrund des

Klick Ubiquitous Computing

In dem das Wissen allgegenwärtig ist muss es also weniger um die Vermittlung von Wissen, als vielmehr um die Vermittlung des Umgangs mit und Vernetzung von Wissen gehen.

Tab schließen

Damit muss auch das klassische Verhältnis Erzieher/Educandus eine Anpassung erfahren.

Klick Erzieher/Educandus

Auf die Lehrerrolle selbst wurde im Rahmen dieser Konferenz bereits eingegangen und wird noch weiter eingegangen werden. Ich möchte deshalb hier zwei Lösungsstrategien vorstellen, die Umweltmodifikation der digitalen Welt, Handwerk und Werkzeug für diese sind.

Die erste Lösung hat bereits meinen Vortrag begleitet – Hypertext!

Klick Überlegung von Mike Wesch

Das schaffen von Metaebenen der Information, die Verlinkung zu weiteren eigenen bzw. zu fremden Inhalten und die daraus entstehende Vernetzung von Wissen sind meiner Meinung nach nicht die Zukunft der Wissensaneignung und –vermittlung, sie müssen vielmehr als die Gegenwart begriffen und gelehrt werden, die sie sind.  Wie dies persönlich sinnvoll geschehen kann, dies zu vermitteln sollte erste Pflicht der heutigen Lehre sein.

Close @ „take me back“

Wir sehen hier ein biologisches Netzwerk – unser Gehirn!

Dort ist keinerlei Linearität zu entdecken, statt dessen ausschließlich Vernetzung.

Trotzdem ignorieren  Bildungsinstitutionen diesen Umstand seit Jahrtausenden. Um diese neuronale Komplexität zu erreichen müssen wir erst einmal das Denken lernen. Wie aber lernen wir?

Wörter hintereinander schreiben, die Kultur, die Geografie, und die Fauna und Flora eines Landes in unterschiedlichen Fächern zu unterrichten oder lateinische Deklinationen herunter zu beten müssen endlich der Vergangenheit angehören.

Mein zweiter Lösungsvorschlag sind die bei Bourdieu kurz gezeigten Mind-Maps.

Klick Mind-map

Klick Bild

Mit solchen Mind-Maps lässt sich die Komplexität von Zusammenhängen unvergleichlich besser darstellen, als ein bloßes Nacheinander. Insofern bitte ich auch das häufige hin und her Geklicke meines Vortrags zu entschuldigen, doch für das verbale Gleichzeitig ist mir noch kein Medium bekannt.

Hypertext und Mind-Map – nicht bloß der Begriff, sondern der Umgang damit sollten die ersten zwei Vokabeln des Latein 2.0 sein, dass wir unsere Schüler lernen lassen.

So schließe ich frei nach Vergil: „Scientia viam invenient.“ – Das Wissen findet seinen Weg.

Im Orginal übrigensl: „Fata viam invenient.“Das Schicksal findet seinen Weg, was ich nicht weniger zutreffend finde.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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~ von evolusin - 2009.Juli 7.

2 Antworten to “Digitale Evolution – Das Mängelwesen Mensch im Netz: Meine Modulabschlussprüfung (Edit)”

  1. […] Ich sags ja; Latein 2.0! […]

  2. […] Mit der Veröffentlichung meiner Facharbeit (Abschlussprüfung zum Heilerzieher) und der ein oder anderen Modulabschlussprüfung während des Studiums bin ich bereits meiner Forderung […]

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