Erziehung als symbolische Interaktion

Brezinkas Arbeit am Erziehungsbegriff fusste auf den Studien Helmut Fends. Im Gegensatz zu Brezinka sieht Fend die Interaktion zwischen Educand und Erzieher noch einseitig. Fend definierte 1971:

„Als Erziehung werden absichtlich und planvolle Maßnahmen zielgerichteter Handlungen bezeichnet, durch die Erwachsene in den Prozeß des kindlichen Werdens einzugreifen versuchen., um Lernvorgänge zu unterstützen oder in Gang zu bringen, die im Kind zu Dispositionen und Verhaltensweisen führen, welche von den Erwachsenen als wünschenswert angesehen werden.“

Den Begriff der Erziehung verband Fend mit dem Begriff des Sozialisationsprozesses. Bildlich etwa wie folgt zu betrachten:

Sozialisationsprozess im Sinne FendsDie Einbindung der makro- und mikrosozialen Ebene habe ich Vorgenommen, da Friedrich W. Kron (Prof. em. für Pädagogik an der J.-Gutenberg-Universität Mainz) 1996 in „Erziehung als symbolische Interaktion“ dies nahelegte. Dort geschieht dies, nachdem die psychologischen Sichtweise Brezinkas und Fends von Erziehung um eine soziologische Auffassung, das Rollenmodell, erweitert wird.

„,Rollenhandeln´ heißt alles Handeln in einem sozialen Kontext, in dem die Handelnden bestimmte Positionen einnehmen und mit Hilfe gegenseitiger Erwartungshaltungen interagieren. ,Erziehung´ sind danach diejenigen Prozesse zu nennen, in denen die Grundqualifikationen des Rollenhandelns erworben, erlernt werden. ,Erfolgreiches Rollenhandeln´ bezeichnet die formale Norm, an der Sozialisationsprozesse und Erziehungsvorgänge orientiert werden sollen, bzw. sich notwendig orientieren müssen, wenn überhaupt das heranwachsende Individuum zum Mitglied von Gruppen und also der Gesellschaft werden soll.“ (Klaus Mollenhauer, 1972)

Allerdings Erweitert Kron dieses Rollenmodel, da im Rahmen von Erziehung eben nicht nur die Qualifikation für adäquates Rollenhandeln erlernt würde, sonder reflexive Erlebnisse ebenfalls dazu gehörten und „auch über Rollen und ihre Begründung reflektiert“ wird. Da sowohl Erzieher, als auch Educand subjektiv geprägte Absichten, Neigungen, Erwartungen und Interessen haben und diese nicht an der Schwelle zur Erziehungssituation ablegen, liegt es in der Natur der Sache bzw. der Erziehungssituation, dass notwendigerweise alle beteiligten Bezug aufeinander nehmen, miteinander interagieren. Diese Interaktion geschieht durch „Zeichen oder Symbole wie z.B. Sprache, Gestik und Mimik“ und muss jeweils sinnvoll vermittelt werden.

„Erziehung muß daher als symbolische Interaktion der Handelnden oder als „symbolisch vermitteltes kommunikatives Handeln“ (Mollenhauer, 1972) oder als ein an gegenseitigen Sinnverstehen orientiertes soziales Handeln aller in einer Erziehungssituation befindlichen Individuen bezeichnet werden.“

Dieser etwas ungelenken Definition liegen folgende Annahmen zugrunde:

  1. Traditionen und Konventionen, Regelwerke und bereits bewährte Interaktionsformen sind für alle Rollen festgelegt.
  2. Zwischen Educand und Erzieher bleibt der Unterschied bzgl. Alter, Erfahrung und Wissensstand bestehen.
  3. Das Recht der Erziehers auf Erziehungsmittel, Erziehungswege und Erziehungsziele und den darin enthaltenden Optionen wie Sanktionen oder positive Bestärkung, ist unter 1. bereits verbrieft und damit unabdingbar.
  4. Sowohl die soziale Handlungsfähigkeit („zu sein wie alle anderen“), als auch die Bildung zum reflexiven Subjekt („zu sein wie kein anderer“) sind zwingend Zweck von Erziehung.

„Erziehung ist somit an den demokratischen Grundwerten der Emanzipation und Verantwortung für das Ganze (gesellschaftlicher Aspekt) orientiert. Der in Bezug auf das Individuum aufklärende und aufklärerische Zug von Erziehung […] bezielt also primär den Prozeß der Individualisierung und Personwerdung (vgl. Sozialmachung). Er verstärkt nicht primär, naiv und unreflektiert die stets und ständig ablaufenden Enkulturations- und Sozialisationsprozesse (vgl. Sozialwerdung).“

~ von evolusin - 2009.Juni 3.

Eine Antwort to “Erziehung als symbolische Interaktion”

  1. […] war und/oder pubertierende versucht zu erziehen, weiß dass dies ein aussichtloses Unterfangen ist, da Erziehung Interaktion ist und nicht als Repression […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: