Kindererziehung in den Medien

Ein Blog, der sich mit Bildung und Erziehung auf der einen Seite und Medien auf der anderen Seite beschäftigt, sollte natürlich auch einen Artikel haben, wie Bildung und Erziehung in den Medien, speziell im Fernsehen, behandelt werden. Here we go!

Seit ca. meinem zwölften Lebensjahr sehe ich die Simpsons, davon über etliche Jahre täglich. Damals liefen sie noch im ZDF. Meine Mutter hielt es für einen Versuch wert; schließlich mag der Filius ja Cartoons und da es eine „Familienserie“ im Nachmittagsprogramm des ZDF war hielt sie es für gefahrlos und nicht gewaltverherrlichend. Pech gehabt, Muttern.

Was enthält nun aber bereits dieser Absatz?

Nun, es zunächst mal aus erzieherischer Sicht anzuraten, zu wissen, was der Nachwuchs schaut. Idealerweise begleitet man die Fernsehzeit, um über das gesehene, also passiv erlebte, zu sprechen, mögliche Verständnisprobleme zu lösen oder irritierende Emotionen beim Zögling zu begleiten. (Um Missverständnissen vorzubeugen; ich meine bei Kindern und nicht bei Teenagern!) Als ich Teenager war, wurden die Simpsons immer mit Freunden gesehen. Ein soziales Happening, auf das die ganze Woche hingefiebert wurde. Fensehen muss nicht zwingend zu sozialer Fereinsamung führen. Ab DSL-Flatrate wurden die Simpsons dann nur noch auf englisch gesehen. Merke: Fremdsprachen lernen kann sehr unterhaltsam sein; dreizehn Jahre Englischunterricht haben da nicht einen Bruchteil so viel gebracht.

Auslöser für diesen Artikel, war eine Folge aus der aktuellen Staffel. Zwar sind Marge/Lisa-Folgen nicht meine Lieblingsfolgen, aber ein Abschnitt hat es dann doch raus gerissen.

An dieser Stelle würde ich jetzt ein Videoausschnitt aus der Folge „Four Great Women and a Manicure“ von knapp vier Minuten einbinden. Urheberrrecht und Abmahnanwälte verhindern dies bedauerlicherweise. Stattdessen hier klicken und bis 17:26 vorziehen und dann bis Ende sehen.

Oder einfach folgende Zusammenfassung lesen:

Maggie Roark

In the final tale, Maggie is depicted as „Maggie Roark,“ representing Howard Roark from Ayn Rand’s The Fountainhead.

Maggie’s architectural brilliance [Marge: „Maggies genius and creativity, far exceeded than of the others. […] But her teacher, Mr. Elsworth Toohey, wanted every child to conform.“]is quashed by an oppressive pre-school teacher (Ellsworth Toohey) who encourages only conformity. [Mr. Toohey: „Wonderfull pedestrien!“] 

She builds several famous landmarks (e.g. the Taj Mahal in India and the Bird’s Nest in Beijing, China) out of blocks and other toys, all of which are destroyed by Toohey. [Marge: „He would not let Maggies creativity flower.“ Mr. Toohey: „Mediocri rules!“]

During a Parents‘ Day at Mediocri-Tots Day Care Center [Mr. Toohey: „I want everybody to see, how uncreative and beaten down you´ve become.“], Maggie dazzles everyone with her rendition of The Empire State Building and ends up on trial for expressing herself. [Mr. Toohey: „When a blade of grass rises above the others, do we applaud it? No, we cut it down! I recommend nine timeouts, served consecutivly!“] During the trial, Maggie (now voiced by Jodie Foster) defends herself by stating that the creative people of her time have never compromised their talent for the sake of others and neither will she. Years later, Maggie is shown as a successful architect who opens a daycare center dedicated to letting babies express themselves freely, but the story is interrupted when Marge stops Maggie from painting van Gogh’s Starry Night on the wall of the nail salon.

Diese Gleichmacherei, die dort spielerisch thematisiert ist, ist es auch, die die Umsetzungen des Bologna-Prozesses so unerträglich machen. Für Studierende ist dies schon schlimm, für Kinder oder gar Babys, die sich noch in der Entwicklung befinden ist es nachhaltig verheerend. Damit sind wir auch schon bei dem Abschnitt …

Babys und Fernsehen

Ich hielt damals ja schon die Teletubbies für furchtbar. Zielgruppe sind ca. 2-4 Jährige. Niemand muss in dem Alter Fernsehen! Abgesehen von homophoben Katholiken gab es an der Serie auch fundierte Kritik von Pädagogen und Eltern,denn sie würde „die Sprachentwicklung der Kleinkinder [..] stören, da sie eine sehr kindliche Sprache verwenden. Zur Begrüßung wird „Ah-Oh“ und zur Verabschiedung „Winke-Winke“ gesprochen und viele Sätze sind sehr einfach aufgebaut. […] Eine Studie der Wake Forest University, welche aufzeigte, dass Kleinkinder durch die Teletubbies kaum neue Wörter lernen, stützt hierbei die Kritiker.[1] (Quelle) Tja, nun gibt es nicht nur eine Sendung für Kinder vor dem Kindergartenalter, nun existiert ein eigener Fernsehsender für Babys! Liebe Eltern, wenn Ihr nicht die Zeit habt Euch mit Euren Kindern zu beschäftigen, ihnen Umwelt- und Sinneseindrücke zu ermöglichen und zu vermitteln, nicht in der Lage oder willens seid sie zu aktivem Handeln zu ermutigen anstatt sie vor die Glotze zu setzen, dann bekommt keine! Und hier haben wir auch schon den perfekten Übergang zu Erziehuungsratgebern im Fernsehen

Supernanny und Co

Die Supernanny dürfte mittlereile hinlänglich bekannt sein. Mit klassikern wie diesem reizendem Engel:

läuft sie nun immerhin seit 2004 kontinuierlich. Dramen spielen sich dabei nicht nur auf Seite der Kinder ab, auch Eltern lassen einen in dieser Serie manchmal nur zwischen Staunen, Verachtung und Mitleid zurück:

Die Familien, die dieses Sendeformat füllen (und auch die Konsumenten dieses Formats),  sind in meinen Augen allerdings eher ein Symptom einer Gesellschaft, in der die sozialen Schichten immer mehr auseinanderdriften, in der Perfektion und Leistung überall gefordert, in der Nähe und soziale Basiskompetenzen aber immer weniger vermittelt werden.  Das Bedürfnis nach letzternm ist sicherlich da. Neben Perspektivlosigkeit (auf dem Arbeitsmarkt) dürften sie noch vor mangelnder Aufklärung für die steigende Zahl an Teenagerschwangerschaften verantwortlich sein.

Auch hierfür haben die Medien eine Antwort. Morgen geht bei RTL die Sendung „Eltern auf Probe“ On Air. Die Kritik läuft allerdings bereits seit Wochen. Was ist das für eine Entwicklung? Wohin führt das? Sendet RTL bals die Doku „Die Folterer in den Jugendknästen“?

Ich bin weit davon entfernt zu sagen, dass angesichts von eklatanten Problemen im Bildungswesen, in der Kindererziehung und nicht zuletzt im sozialen Miteinander der Gesellschaft, im Fernsehen der Astrid Lindgren Weichzeichner über alles fahren sollte. Davon ab wurde auch Michel aus Lönneberga mehr als einmal mit einem Kochlöffel geschlagen oder im Schuppen eingesperrt.

Aber es gibt auch Formate die Sinn machen. Es gibt noch richtiges Bildungsfernsehen. Willie wills Wissen zum Beispiel. Zwei Aspekte sind hierbei festzustellen:

  1. Die Anfangsbuchstaben der Sendung verweisen klar auf das World Wide Web. Kinder werden also schon früh damit vertraut gemacht, dass Wissen und Web zusammengehören.
  2. Ernst zunehmendes Bildungsfernsehen (und die damit zusammenhängenden Onlineportale) finden sich beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Sendungen, die bei den privaten mit Bildung und Erziehung assoziiert sind, zeichnen sich im wesentlichen durch Blendwerk (Baby-Channel) oder Schockeffekte (Supernanny) aus. Am Ende ist für diese Sendungen doch nur die Quote und damit das Geld entscheidend.

Hier ein paar nützliche Links:

~ von evolusin - 2009.Juni 2.

Eine Antwort to “Kindererziehung in den Medien”

  1. […] & Recreation Wie ich hier schrieb, fand ich es schon recht ärgerlich, dass einzelne Videosequenzen Zwecks Zitation oder […]

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