Humboldt und seine Erben

„Wieviele sind davon Erziehungswissenschaftler?“ fragte ich mich, als ich, aufmerksam geworden durch den Titel Humboldprofessur, mir den Beitrag anschaute. Ich recherchierte etwas und wurde hier fündig. Die Antwort lautet: Keiner! Aber wie kann das sein? Schließlich wird Humboldt bei uns in der Erziehungswissenschaft als einer der Überväter der Bildung verehrt.

Im Namen des Mannes, der „von einer Nation, einem Zeitalter, von dem ganzen Menschengeschlecht […] [verlangt], dass Bildung, Weisheit und Tugend so mächtig und allgemein verbreitet, als möglich, unter ihm herrschen, dass es seinen inneren Werth so hoch steigert, dass der Begriff der Menschheit, wenn man ihn von ihm, als dem einzigen Beispiel, abziehen müsste, einen grossen und würdigen Gehalt gewönne.“ („Die Bildung des Menschen„, W. v. Humboldt, Werke 1, Hrsg. v. A. Leitzmann. Berlin 1903)

Ein Trias, der unter dem Aspekt der Moral sicherlich jedem Pädagogen gut zu Gesicht steht. Dem Menschen „ist sein Denken immer nur ein Versuch seines Willens, in sich frei und unabhängig zu werden“ (ebenda) Ist mit solch einer Professur freie Bildung gemeint? Schließlich gilt die BRD als eines der Länder, wo der sozile Hintergrund am stärksten über Bildungskarrieren entscheidet. Wie sollen Physiker und Genetiker Weisheit und Tugend in eine Gesellschaft tragen?

Nach einiger Recherche fand ich des Rätsels Lösung. Während die Professuren in ihrer naturwissenschaftlichen Dominanz im Geiste Alexander von Humboldts verliehen werden,  folgt die Erziehungswissenschaft seinem zwei Jahre älterem Bruder Wilhelm von Humboldt. Merke: Zwar ist überall wo Humboldt drauf steht auch Humboldt drin, aber es ist nicht überall das Gleiche enthalten.

Bleibt nur noch eine Frage: Wenn der Alexander von Humboldt als Begründer der empirischen Geografie gilt, warum ist unter den Preisträgern nicht ein einziger Geograf?

~ von evolusin - 2009.Mai 24.

2 Antworten to “Humboldt und seine Erben”

  1. […] die Bildung zurück in archaische strukturen zu pressen. Damit wird ein Rückschritt hinter das Ideal von freier Bildung Wilhelm von Humboldts forciert, der immerhin bereits 174 Jahre tot ist. Geschichte wiederholt sich und es bleibt zu […]

  2. […] im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks im Sinne des humboldtschen Bildungsideals für freie Bildung gestritten wurde, wurde ein wesentlicher Aspekt außer acht gelassen. Bildung […]

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