„Alles was es braucht, um seinen Weg zu nehmen, ist ein Link.“

Der Titel dieses Threads ist ein Zitat von einer Site, die einen Überblick über die Memetik bietet, deren namensgebender Begriff von Richard Dawkins stamt. Unter mediologischen Gesichtspunkten ist ist dieses Thema unausweichlich. Während die menschliche Evolution im Bereich der Genetik wie in Zeitlupe nahezu stagniert, sich die gleichen Aminosäuren in unseren Körpern tummeln, findet die kulturelle Evolution quasi in Lichtgeschwindigkeit statt. Seit dem aufrechten Gang haben wir organisch eigentlich nicht mehr viel verändert. Der Mensch ist nach wie vor ein Mängelwesen, welches weder mit besonderen Sinnesfähigkeiten ausgestattet ist, noch über spezielle Instinkte verfügt. Dem Individuum fehlt es auch von jeher an physischen Voraussetzungen sich un der Umwelt zu behaupten. Erst durch das vernetzen zu Gruppen, zu sozialen Systemen, durch den Gebrauch unserer Gehirne und das entwickeln von Hilfsmitteln gelingt es dem menschen in der Welt zu bestehen. Damit sind wir bereits bei der Memetik. Nehmen wir zum Beispiel Kleidung. Mangels Fell war es von jeher nötig, sich durch Hilfsmittel gegen die klimatischen Bedingungen abzusichern.  Die kulturelle Evolution nahm ihren Weg von der umgehängten Tierhaut über grob gewebtes Leinen hin zu aktiv Fasern in Sportbekleidung. Hatte eine Entwicklung Vorzüge gegenüber bestehendem, setzte sie sich durch. Ein anderes Beispiel (und hier sind wir dann auch bei der Mediologie) sind Datenträger. Der Weg ging von der Höhlenwand über den Buchdruck hin zu Serverparks.

Mediosphären

Begründer der Mediologie ist Regis Debray. Ihm zu Folge bezeichnet der Wortteil medio weder Medien noch Medium, sondern meint Mediationen (Vermittlungen), also die dynamische Gesamtheit der Prozeduren und Körper, die zwischen eine Produktion von Zeichen und eine Produktion von Ereignissen geschaltet sind.“[1]

Zu berücksichtigen seien dabei die technische, die semantischen und die politischen Ebenen. Mit anderen Worten vermittelt die Mediologie zwischen der technischen Art einer Informationsübertragung (Statue, Buch, Twitter, …), der Bedeutung der Information (epochales Menschenbild, Grundwissen, aktuelles Zeitgeschehen, …) und der Auswirkung auf eine Gesellschaft (Körperkult, Bildungswesen, nicht in Schulen gehen, an denen gerade ein Amoklauf stattfindet, …). Die Mediologie „versteht sich grenzüberschreitend, sich quer über die etablierten Institutionen und Nomenklaturen
hinwegsetzend.“[1] Während die historische Entwicklung des Weidenkorbes (um mal einen Rückbezug zur Memetik zu schlagen) eine Gesellschaft zwar kulturell verändert haben wird, da der Transport von Dingen wie zum Beispiel Beeren nun problemlos von statten ging, dürfte gleichwohl die soziologische Bedeutsamkeit eher gering eingeschätt werden. Anders verhielt es sich hingegen bei dem entstehen der französischen Revolution. Laut Debray waren die unterschiedlichen Formen der gesellschaftlichen Zusammenkunft, gekoppelt mit den verfassten Schriften und den darin Transportierten Ideen so etwas wie „eine Veränderung in dem System »Produktion/Zirkulation/Speicherung von Zeichen«[1], die mehr war als die Summe ihrer Einzelteile. Es waren nicht „die Ideen oder die Thematik der Aufklärung, die die Französische Revolution bestimmt haben, sondern eben diese Logistik“[1].

Welche logistischen Möglichkeiten haben wir heute? Wie würde eine Revolution in unserer Zeit von statten gehen? Fände das ideologische Vorspiel in Foren statt?  Würde das Startsignal über Twitter in wenigen Minuten die Welt umrunden? Würden Hacker die Informationsinfrastruktur lahmlegen? Wie immer es aussehen würde; eines ist sicher „The Revolution Will Not Be Televised!“

~ von evolusin - 2009.Mai 24.

3 Antworten to “„Alles was es braucht, um seinen Weg zu nehmen, ist ein Link.“”

  1. […] Damit verbunden ist aber auch das Problem, Wissen über die Zeit zu retten. Klar, jede Epoche hat ihren eigenen […]

  2. […] zusammenarbeiten. Die dort exemplarisch beschriebenen Produktionsprozesse verweisen auf die Idee der Memetik , die von dem Evolutionsbiologen Richard Dawkins 1976 entwickelt wurde. Als kulturelles Gegenstück […]

  3. […] darin zu bestreiten) bedeutet in der Hypershäre geboren zu sein. Eine Begriff, der auf die Mediospären nach Regis Debray zurückzuführen ist. Vor der Hypersphäre lebten wir in der Videosphäre, davor in der […]

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