Irie Revoltes live @ Audimax Uni-HH 03.12.2009

•2009.Dezember 5 • Kommentar schreiben

Am 03.12.2009 gaben die zwei MCs der Irie Revoltes einen kleinen Soli-Gig im besetzten Audimax. Unis Besetzen und Bildungsstreik habe ich per Handy mit geschnitten. Angesichts der eher dürftigen Bildqualität sind die Links eher als Tondokument zu verstehen. Leute, die ebenfalls gefilmt haben sind herzlich eingeladen die Links in den Kommentaren zu posten.

(Als jemand, der die Irie Revoltes bereits mit Band auf der Fusion 2009 und in der Fabrik HH auf der ZiG-Tour gesehen hat, kann ich jedem nur raten die nächste Live-Möglichkeit wahrzunehmen.)

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Werte, Demokratie und Qualität – war da was?

•2009.Dezember 5 • Kommentar schreiben

Auf meinem MP3-Player hat sich mal wieder ein lange nicht gehörtes Album eingefunden. Folgende Textzeile wird zwar ursprünglich im Zusammenhang mit Medizinern gebracht, doch bringt sie eines meiner Hauptmotive mich im Bildungsstreik zu engagieren ziemlich gut auf den Punkt.

“ [...] Wer bestimmt Werte? Weiße Gelehrte deren Menschlichkeit fehlte, da man sie ihnen nie lehrte. Eine wissende Herde von weißen Schafen, die ihr Gewissen verwerfen, um nachts noch zu schlafen. [...]„

(Quelle: Fiva MC & Radrum „Zeit die mir bleibt“)

Seit ich mein Studium an der Uni-Hamburg begonnen habe und mich mit den Bedingungen diese Studiums auseinandersetze frage ich mich, wie eine Gesellschaft aussehen soll, deren Lehrer während ihres Studiums dazu genötigt wurden auf Lasten anderer ihren Vorteil zu suchen (Masterplatzbeschränkung),wo sie späteren Schülern eigentlich Kooperation und Rücksichtnahme vermitteln sollten?

Wie werden Lehrer, die während ihres Studiums zur Aufgabe ihres Soziallebens genötigt wurden (Workload), später einmal Menschen an die Orientierung in der sie umgebenden Gesellschaft heranführen?

1987 schrieb der Moralpsychologe Lawrence Kohlberg:

Mit achtzehn Jahren wird der Jugendliche zum Bürger einer Demokratie, mit den Rechten zu wählen und der Pflicht, Waffendienst zu leisten. Wo und wie soll der Achtzehnjährige gelernt haben, ein an der Demokratie aktiv teilnehmender Bürger zu sein? Zuhause nicht. Es ist wünschenswert, wenn in der Familie demokratische Grundsätze herrschen. Aber selbst wenn dem so ist, kann die Familie keinen demokratischen Bürger hervorbringen, denn sie ist nur eine kleine Gruppe. [...] Nur die Schule, vor allem die Sekundärschule – bei uns Highschool -, kann Demokratie so lehren, daß der Jugendliche aktiv beteiligt ist. Anders als das Elternhaus ist die Schule eine sekundäre Institution, eine komplexe, regelgeleitete Institution. Im Unterschied zur Gesellschaft im breiten politischen Sinne ist sie jedoch kleiner, leichter zu lenken, und sie kann einen Geist der Gemeinschaft haben, der – wie wir sehen werden – in der Entwicklung einer allgemeinn Übereinstimmung in Bezug auf Fragen des öffentlichen Wohlergehens sehr wichtig ist.

(Quelle: Kohlberg. L: Moralische Entwicklung und demokratische Erziehung. In: Lind, C; Raschen, J.
(Hrsg.): Moralische Urteilsfähigkeil. Weinheim/Basel 1987)

Die Übertragbarkeit auf Universitäten dürfte auf der Hand liegen. Warum aber rätseln wir jetzt über geringe Wahlbeteiligungen und Profillosigkeit der Politiker, wenn die Lehrer von morgen nach zwölfjährigem Turboabi in das Lehramtsstudium eintreten und dort mit einem wirtschaftlich orientierten Top-Down-Prinzip anstelle von demokratischer Mitbestimmung konfrontiert werden. Nach fünf Jahren Regelstudienzeit sollen sie die Demokraten von morgen bilden.

Aber womit sollen sie sie bilden? Die Inhalte sind in starren Modulstrukturen und Kerncurricula festgemeißelt. So reproduziert man per Bulimie-Lerning zu den Klausuren, was gefordert wird. Die Konsequenz ist, dass auch in der späteren beruflichen Praxis die Wahrscheinlichkeit recht hoch ist, dass  nicht mehr als Reproduktion passiert. Innovation und Kreativität bleiben im einstigen Land der Dichter und Denker hingegen auf der Strecke.

Ja, es ist richtig, dass der Bildungsstreik sich auch gegen Studiengebühren richtet. Aber was (meiner Meinung nach) noch viel wichtiger ist, ist ein Studium, welches studierbar ist. Wir brauchen ein Studium, welches es uns ermöglicht interessengeleitet zu studieren, da wir nur so gesellschaftliche Weiterentwicklung ermöglichen können, da nur auf diesem Weg eine Tiefe erreicht wird, die qualitativen Ansprüchen genügen kann. Nur so können wir unterschiedliche Profile als Alternative zu gleich geschalteten Dronen entwickeln. Wir benötigen ein Studium, welches es uns ermöglicht Teil einer Gesellschaft zu sein, mit ihr zu interagieren, zu diskutieren und diese Erfahrungen und Erkenntnisse als neue Sichtweisen mit zurück in unsere Studien zu nehmen. Wir brauchen ein Studium, in dem wir lernen Verantwortung zu übernehmen, Anerkennung zu erfahren und an Entscheidungsprozessen zu partizipieren.

Sicher, die Liste könnte noch weitergehen, aber ich denke, dass jeder noch eigene Punkte findet. Auch halte ich die Kritik für übertragbar auf nahezu jedes Studienfach.

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Mission Impossible?

•2009.Dezember 1 • Kommentar schreiben

Während der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts hatte die Umweltschutzbewegung einen vorläufigen Höhepunkt. Besonders der Schutz des Regenwaldes genoss große Aufmerksamkeit. In „Medicine Man“ mit Sean Connery wurde eine Frage verfilmt, die zu der Zeit fast jeden beschäftigte:

Was ist, wenn im Regenwald eine Pflanze wächst, die Krebs heilen kann und wir roden sie, bevor wir sie entdeckt haben?

Ich meine, dass wir uns jetzt im 21. Jahrhundert eine neue Frage stellen müssen:

Was ist, wenn in einer sozialen Randgruppe ein Kind geboren wird, welches eine ‘Formel für den Weltfrieden’ in sich trägt und wir bringen ihm nicht lesen und schreiben bei?

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„Lenzen – Not My President“ der Song

•2009.Dezember 1 • Kommentar schreiben

Die Initiative der der FU BerlinLenzen – Not My President!“ hat das Wirken ihres bisherigen Präsidenten, der in einer Sondersitzung des dortigen Akademischen Senats zum Rücktritt aufgefordert werden sollte, sein bisheriges Wirken mit diesem Musikvideo kommentiert:

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Hamburg brennt weiter – das Präsidium sitzt auf glühenden Kohlen

•2009.November 30 • Kommentar schreiben

Bis zum heutigen Tag verhielt sich die gegenwärtige Leitung der Universität Hamburg zurückhaltend im Bezug auf die Besetzung des Audimax. Mit diesem Schreiben, welches parallel über die kafkaeske Verwaltungssoftware STINE an alle Studierenden geschickt wurde, scheint diese Zurückhaltung langsam zu weichen.

Zunächst ist die dort betriebene Spaltung der Studierendenschaft abzulehnen. Die BesetzerInnen setzen sich für freie Bildung für alle ein, auch für die Studierenden, die in Folge stereotyper Vorbehalte sich nicht mit den Forderungen auseinandergesetzt haben. Den Eindruck zu erzeugen, dass die Besetzung des Audimax die Uni finanziell stark belaste ist im Verhältnis zur jahre-/jahrzehntelangen Unterfinanzierung, die einer der Grüne der Besetzung sind, bestenfalls bemüht zu nennen. Der Verweis auf Studierende, die sich über den Ausfall von Lehrveranstaltungen(PDF) beschweren, ist einer Anbiederung an den StuPa-Wahlkampf der WiWi-Liste gleichzusetzen. Und auch Bewegungswissenschaftler dürfen mal überlegen, welche Uni im Rahmen der Exzellenzinititative mit Sport-/Bewegungswissenschaft gewonnen hat?

Ebenfalls ist die Kriminalisierung der BesetzerInnen zu verurteilen. Gegenwärtig ist das Audimax durch die Besetzung zu einem öffentlichem Raum geworden, in dem jeder sich, frei von Zugangszahlungen und Verwertungsinteressen, mit Inhalten beschäftigen kann. Durch die Öffentlichkeit des Raumes ist aber eine Schuldzuweisung etwaiger Schäden (die gegenwärtig nicht bestehen) an einzelne unzulässig. Gegenwärtig wird der Tatbestand des Hausfriedensbruchs ebenfalls nicht erfüllt. Erst bei einer Räumung gegen Widerstand würde Hausfriedensbruch bestehen und erst die Schäden, die im Rahmen einer solchen Räumung entstünden, wären den BesetzerInnen zuzuschreiben.

Fakt ist, dass die Leitung der Universität mit der Wahl Dieter Lenzens ein Armutszeugnis in Sachen Demokratie abgelegt hat, während die täglichen Plenar im Audimax basisdemokratisch verlaufen. Weiterhin ist es Fakt, dass die anhaltende Ausrichtung der Uni nach neoliberalen Maßstäben (PDF) durch Unileitung und Wissenschaftsbehörde den Boden für zukünftige soziale Benachteiligungen in der Gesellschaft bereitet, während Solidarität, Sexismus- & Rassismusdebatten und Volksküche im Audimax einen Gegenentwurf praktizieren, der keine Verlierer hervorbringt.

Beim Bildungsstreik geht es um ein verantwortungsbewusstes Wirken in die Zukunft unser Gesellschaft. Bei der Exellenzinitiative um die Priviligierung Weniger auf Kosten anderer.

Denk mal drüber nach ;)

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Pressespiegel zur VV der Uni-Hamburg am 23.11.2009

•2009.November 24 • Kommentar schreiben

Am 23.11.2009 wurde im gesamten, besetzten Audimax der Uni-Hamburg mit ca. 2.000 Studierenden die größte Vollversammlung seit Jahren abgehalten. Auf ihr wurde von den Studierenden eine Resolution (PDF) verabschiedet, die anschließend mit einer Spontandemo über die Edmund-Siemers-Allee zum Präsidium gebracht wurde.

Zu den Ereignissen gibt es gegenwärtig eine Presseerklärung der BesetzerInnen und einen Bericht des NDR. Die MoPo berichtet von der Besetzung der HWP, während Lenzen dem Abendblatt und Deutschlandfunk (vom 23.11.´09) Interviews gibt. Die taz schreibt von Verhandlungen zwischen Senat und Lenzen und weil es so gut zum Thema passt noch ein Artikel von SPON zur Hochschul Rektoren Konferenz in Leipzig.

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Vollversammlung im besetzten Audimax Hamburg 23.11.2009

•2009.November 23 • 1 Kommentar

Im folgenden findet Ihr Videolinks zur VV und dem danach

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Lenzen neuer Präsident der Uni-Hamburg! (?)

•2009.November 20 • 2 Kommentare

Nachdem sich im Rahmen der Audimaxbesetzung bereits im Vorfeld Protest gegen eine potentielle Präsidentenwahl von Dieter Lenzen formierte, fanden sich gestern über 1000 Studierende ein um dem akademischen Senat bei ihrer Sitzung zu begleiten. Nachdem die turbulente Sitzung abgebrochen wurde verschanzten sich aber dann Hochschulrat und akademischer Senat im Mineralogischem Institut. Nach einigem hin und her hieß es dann Lenzen würde am Donnerstag nicht mehr gewählt. (Mehr in diesem Pressespiegel)

Nun überschlugen sich heute ab ca. 15 Uhr die Ereignisse. Der akademische Senat und Hochschulrat würden auf dem Gelände von DESY Lenzen als Präsidenten absegnen.

Aus den Gerüchten wurde spätesten Gewissheit, als einige Vertreter des akademischen Senats im besetzten Audimax eintrafen und dem sich stetig füllendem Auditorium zunächst eine Pressemitteilung. Im weiteren Verlauf wurden bei wechselnder Gesprächskultur und Verfahrensweise sowohl Fragen und Proteste der Studierenden, als auch Statements und (meistens) Allgemeinplätze der Senatsmitglieder zu Gehör gebracht.

[Nachzuvollziehen in den Twitterstreams von mir, ratzplatz & hamburg_brennt]

Nachdem aus dem Debakel um Expräsidentin Auweter-Kurtz und ihrem Weg an die Spitze und von dort wieder weg offensichtlich keine Lehren gezogen worden sind hat die Uni Hamburg heute einen neuen Tiefpunkt erreicht. Widersprüche zwischen den Taten aus Lenzens Vita und seinen Versprechungen wurden nicht hinterfragt, ein Weg der Aufklärung nicht beschritten. Auf das Versprechen zukünftige Gelder aus der Exellenzinitiative zu erhalten, wenn man Lenzen zum Präsidenten macht, einzugehen, entspricht der Zockermentalität, die zur Wirtschaftskrise führte, wenn dort auf Wert-/Verlustentwicklungen von Geld gesetzt wurde, welches man nicht besaß. Studierende der Uni Hamburg werden zukünftige Generationen nur noch schwerlich in Sachen Demokratie und soziale Werte unterrichten können. Top Down Autorität, Leistungsdruck und Ellenbogenmentalität haben heute ungeahnte Höhen erreicht.

Kleiner Hoffnungsschimmer – Lenzen bat sich über das Wochenende Bedenkzeit aus, ob er die Wahl annimmt.

Hier noch erste Pressestimmen zum heutigen Tag:

[Update]

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Pressespiegel zur Anti-Lenzen Aktion an der Uni-HH

•2009.November 20 • 1 Kommentar

[Update] Videomitschnitte der Sitzung von Hamburg Brennt: 1, 2, 3

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Punktsieg für „Schülerelite“

•2009.November 18 • Kommentar schreiben

Das Aktionsbündnis „Wir wollen lernen“ hat bei seinem Bestreben, die hamburger Schulreform zu stoppen, das erste Etappenziel erreicht. Mit 184.500 Unterschriften dürfte, selbst bei einigen ungültigen , die für ein Volksbegehren notwendige Anzahl von 61.834 erreicht worden sein. Nun muss bis spätestens zum 17. Dezember durch den Senat formell die Gültigkeit festgestellt werden. Bis zum 17. März 2010 muss die Bürgerschaft entscheiden, ob sie dem Volksbegehren nachgibt. Bürgermeister Ole von Beust hat bereits angekündigt, dass er mit den Reformgegnern das Gespräch suchen will:

Dabei steht für mich der Grundsatz, dass längeres gemeinsames Lernen sinnvoll ist für die Integration und Motivation der Schwachen, und auch den Starken zugute kommt, nicht zur Disposition.“ (Quelle)

Das Schulwahlrecht durch die Eltern, einer der Punkte, die dem Bündnis besonders am Herzen liegen sei hingegen wie der Rest der Reform verhandelbar.

Sollte bis zum März 2010 kein Konsens gefunden werden kann durch die Bündnisinitiatoren ein Volksentscheid beantragt werden, der dann im Juli/August 2010 im Rahmen einer Urnenwahl durchgeführt würde.

Bleibt zu hoffen, dass der erste Schritt in die richtige Richtung der hamburger Bildungspolitik seit vielen Jahren nicht gleich strauchelt. „Wir wollen lernen“ impliziert schließlich auch, dass es „andere“ gibt, die dies nicht wollen. Dass dem nicht so ist dürfte auf der Hand liegen. Ein weiter so mit der sozialen Benachteiligung (im Bildungswesen) können wir uns aber schon lange nicht mehr leisten.

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