Aftercamp-Session 2.5 #ec10hh

•2010.Februar 9 • 1 Kommentar

Nach Ende des EduCamps 2010 in Hamburg hatte ich noch eine sehr angenehme Aftercamp-Session mit @SMarten83 und @eStudyskills, die ich hier auch kurz zusammenfassen möchte und die inhaltliche etwas an der “Food 4 the masses?” Session anknüpfte.

Auch hier waren wir der Meinung, dass zunächst Türöffner aus populären und nicht unmittelbar mit Seminarinhalten verbundene Themen eine wichtige Rolle spielen können. Beispiele waren die Protestbewegung im Iran oder die Unibrennt Bewegung.  Auch stimmten wir in dem Eindruck überein, dass diejenigen, die Web 2.0-Tools ablehnen in den meisten Fällen es noch nie ausprobiert haben. Dem gegenüber müssten dann ja die Digital Natives stehen. Wer aber sind die Digital Natives?  Können sie wirklich schon alles? Zunächst mussten wir erstmal feststellen, dass Digital Natives sich nicht nach Geburtsjahrgang zuordnen lassen (sonst wäre die “Food 4 the masses”-Session auch unnötig), gegenwärtig scheinen die DN vielmehr eine ethnische Minderheit darzustellen.

Daran knüpfte sich auch die Frage, was denn digital in diesem Zusammenhang denn bedeute? Verstünden/beherrschten DN denn Urheberrecht, Datenschutz, Didaktik, etc? Im Umgang mit der Technik ist zwar oft eine hohe Kompetenz zu attestieren, in der Fähigkeit der Reflexion hingegen eher selten. Neben der Aufklärung über geltendes Urheberrecht sollte aber auch die Vorstellung von Creative Commons stehen, im Umgang mit Datenschutz müsse für die Trennlinie zwischen Privat und Öffentlichkeit sensibilisiert werden und klar gemacht werden, dass ein Unterschied zwischen wissenschaftlicher Zitation und einem Quelllink zu einem Youtube-Video besteht. Insgesamt bestehe die Notwendigkeit zu einer neuen Didaktik, zu einem neuen Lehrverständnis. Die Frage könne nicht mehr sein “Wann war der 30 jährige Krieg“, sonder vielmehr müsse die Aufgabe beispielsweise lauten: “Erstellt einen Datenmashup zum 30jährigen Krieg!” Abwägend wurde auch angebracht, dass die Fertigkeit Photoshop zu handhaben halt nicht mit der Fähigkeit der Bildbearbeitung gleichgesetzt werden könne. Wer nicht (zumindest ansatzweise) per Hand zeichnen könne, der produziere auch per Photoshop nichts, was zu gebrauchen wäre.

Ein didaktischer Weg könne vielleicht sein, dass erst vorgemacht wird und man dann nachmachen lasse. Zu bedenken wurde in der Hinsicht allerdings gegeben, dass sich die verwendeten Tools ohnehin ständig ändern, deshalb austauschbar seien und statt dessen eher grundsätzliche Problemlösungsstrategien gelernt werden müssten.Insofern könne auch nur ein Themenbauchladen angeboten werden, aus dem sich die Studierendendann nach belieben bedienen.

In einem Seminar, dessen Teilnahme freiwillig ist, was, wie zugegeben wurde, eine bereitwilligere Beteiligung bedeute, habe es sich bewährt im Hinblick auf die Bewertung die Gesamtheit der Aktivität im Kurs, die Genauigkeit und das Einbringen eigener Ideen dem “Dienst nach Vorschrift” gegenüber zu stellen. Das die daraus folgende Beurteilung vergleichsweise subjektiv sei wurde eingeräumt.

So kann ich dem hier abgebildeten Tweet nur hinzufügen, dass ich nie Zweifel daran hatte, dass Ösis OK sind ;)

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PS: Wenn Ihr Ergänzungen oder Korrekturen habt; immer her damit!

Food 4 the Masses? Etablierung von Vorhandenem (und Zukünftigem)! (Session @ #ec10hh)

•2010.Februar 9 • 3 Kommentare

Mein erstes Barcamp, mein erstes EduCamp und gleich meine erste Session angeboten; eine rundherum tolle Erfahrung!

Unter dem Titel dieses Threads habe im Forum des EduCamps meine Ausgangsmotivation und Gedanken geschildert.

Am Freitagabend dachte ich mir dann noch, dass ich ja nicht ganz mit leeren Händen (oder besser leerem Bildschirm) auftauchen kann und habe als Gesprächsstarter diese Mindmap (PDF) erstellt.

Mind-Map zur gleichnamigen Session auf dem EduCamp in HH 2010In einer kleinen aber sehr angenehmen Session, deren Verlauf ich jetzt versuche wieder zu geben wurde dann diskutiert.

Zunächst wurde festgestellt, dass viele Studierende noch einen nicht nachvollziehbaren Papierkonservatismus an den Tag legen. Als Königsweg wurde das Überzeugen von Studierenden und Professoren durch “Best Practise Beispiele” betrachtet, der aber nur sehr selten tatsächlich gefunden werde. Ein Beispiel aus der Runde berichtete von einer Einführungsveranstaltung, die, da verpflichtend, ihren Seminarteilnehmern zwar keine alternative zu den Mitteln ließe, dafür aber bei den Inhalten eine größtmögliche Freiheit gewährte. Alternativ brachte jemand aus der Runde verschiedene Beispiele, in denen von Fall zu Fall wahlweise das web 2.0 oder Althergebrachtes für Studierende der einsichtigere Lösungsweg war. Hier hatten wir auch wieder den Bezug zur Ausgangsfrage, dass Studierende die Vorteile erst erkennen müssen.Wenn z.B. über Weihnachten eine Gruppenpowerpoint erstellt werden muss, aber alle zu ihren Eltern gereist sind, dann bleibt immer noch die Möglichkeit z.B. über Google Docs und einem Tutorial-Wiki die Distanz zu überbrücken und trotzdem am ersten Tag nach den Ferien die Präsentation fertig zu haben.

Auch die Notwendigkeit von Türöffnern zu aktuellen Medien wurde thematisiert. Mit Aussagen wie,  Cem Özdemir hat bei Facebook was auf meine Seite geschrieben, Beyonce folgt mir bei Twitter, bei der letzten Republica habe ich via Twitter den miesen Vortrag von Jimmy Wales kommentiert und große Zustimmung erfahren oder einfach unser Uni-Präsident führt gerade auf meinem Blog eine Diskussion mit mir über die Verwendung von Studiengebühren (kommt ja vielleicht noch ;) ) mögen zunächst oberflächlich erscheinen, sind aber als Wegbereiter nicht zu unterschätzen.

Einstimmigkeit herrschte in der Session auch, dass es notwendig ist, Lehrende als Multiplikatoren entsprechend zu schulen. Dem gegenüber wurde das Beispiel einer Archäologieprofessorin genannt, die ihre Veranstaltung ausschließlich über einen Blog begleitet und die Studierenden sozusagen nötigt, sich mit den digitalen Anforderungen zu arrangieren.

Prof.:Wenn Du es aus einem Buch hast, dann scan es ein!Studi:Ich hab keinen Scanner!Prof.:Im Medienzentrum stehen welcheStudi:Ich weiß nicht wie das geht!Prof.:Dann finde eine Lösung!

Im Gegensatz zu der Scheinverweigerung bei den Studierenden war allerdings bei den Lehrenden kein Hebel bekannt, den man ansetzen könnte.

Interessant war auch die Schilderung, dass eine Studierende, darauf angesprochen, dass sie eine Nachfrage nicht im Forum, sondern im Seminar stelle, erwiderte, dass durch die Publikmachung ihres Namens, fürchtete in Social  Networks gestalkt zu werden. Allerdings stimmten die Sessionteilnehmer darin überein, dass die Studierenden, die in Seminaren nicht den Mund aufmachen, derartig defensive Strategien wohl auch auf das Netz übertragen würden. Mit anderen Worten, weniger das Medium, sondern vielmehr die Person sind entscheidender Faktor.

Aus dem letzten Beispiel ergab sich allerdings folgendes Gedankenspiel für eine Seminargestaltung:

  • es werden sowohl systemische Zwänge (Scheine, Bewertung, etc.) offen gelegt, als auch vom Lehrenden Vorstellungen, die natürlich begründet sein sollten
  • zu Beginn des Semesters wird für Anonymität gesorgt um Hemmungen abzubauen
    • So sieht der Lehrende zwar, dass sich auf der begleitenden Plattform Glücksbär 1-25 (entsprechend der Menge der Seminarteilnehmer) angemeldet haben, aber nicht, welcher Studierende sich hinter welchem Account verbirgt
  • eine breites Spektrum an Tools wird vorgestellt und durch elementare Grundwissensvermittlung eingeführt
  • Studierende und Lehrender erarbeiten gemeinsam Scheinkriterien
    • qualitativ sollte zum einen die persönliche Entwicklung Maßgeblich sein (wer schon vorher Mitglied des CCC war darf nicht mit jemanden verglichen werden, der Zwecks Studium von einem weißen Fleck auf der DSL-Landkarte in die Stadt gezogen ist), zum anderen könnten sich pluralistische Kriterien anbieten; letztendlich muss das aber jedes Seminar für sich erarbeiten
    • quantitative Kriterien wurden in der Session eher kritisch betrachtet; Vorgaben wie: “Während des Semesters müsst Ihr einen Blogartikel, ein Wiki-Eintrag, zwei Kommentare und fünf Tweets gemacht haben.“, wurden als nicht ziel führend betrachtet
  • aus diesem Vorgehen ergibt sich die Möglichkeit, dass Admin/Lehrender ins Forum schreiben kann: “Glücksbär 4, Kriterium XYZ liegt von Dir noch nicht vor. Was ist das Problem?” oder Glücksbär 18 im Blog kommentieren kann: “Die Position von Glücksbär 7 in dem Artikel zu web2.0 im Studium teile ich nicht. Ich finde persönliche Auseinandersetzung viel besser.
    • in diesen Beispielen Glücksbär 4 zwar einerseits an systemische Vorgaben erinnert und wird gleichzeitig mit einem Hilfsangebot konfrontiert, ohne, dass persönliche Bloßstellung befürchtet werden müßte
    • das mögliche Problem von Glücksbär 4 könnte von Glücksbär 18 beantwortet werden, der kooperative Charakter bzw. Vorteil dieser Vorgehensweise würde selbsterklärend, …
    • …, denn Glücksbär 18 zielt trotz aller Vorbehalte, die er im Blog geäußert hat auf eine “gute Note” Anerkennung
    • Glücksbär 7 braucht offensichtlich nicht überzeugtzu werden, hat aber Raum bekommen sich zu entwickeln, Glücksbär 4 werden Hemmungen genommen und erhält ebenfalls Raum zur Entwicklung, Glücksbär 18 – Gotcha! Obwohl skeptisch, hat Glücksbär 18 einen Weg gefunden seine Interessen (Kritik an der blöden Digitalisierung der Gesellschaft, Profilierung vor anderen) im web2.0 zu Verwirklichen
  • am Ende des Semesters muss sich jeder Studierende zwecks Scheinvergabe (systemischer Zwang) dem Lehrenden und nur dem zu erkennen geben (Glücksbär 18 war in wirklichkeit Studierender XYZ)
    • Zweifel an der Identität können schnell durch demonstrierte Log-Ins oder Schilderungen, wie die während des Semesters durchgeführten Aktion gemacht wurden ausgeräumt werden

Fazit der Session: Den Zwang zur Freiheit konnte leider auch wir nicht in 45 Minuten überwinden, aber wir hatten eine (wie ich fand) sehr produktive und konstruktive Diskussion in der (s.o.) Denkansätze entstanden sind, die sich weiter verfolgen lassen.

(Mit einem der Sessionteilnehmer und einem weiteren Besucher des EduCamps hatte ich später noch eine sehr schöne Aftercamp-Session 2.5)

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PS: Wer in der Session dabei war ist natürlich herzlich dazu eingeladen mich zu ergänzen, zu verbessern oder …

Procrastination Vol. 2

•2010.Februar 8 • Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe hier ja schon einmal über Procrastination geschrieben. Nun ist es wieder so weit, Hausarbeiten wollen geschrieben und für Prüfungen soll gelernt werden. Ein großartiger Anlass 4:17 Min. genau dies nicht zu tun.

Lösungsstrategien, wie man damit umgehen kann finden sich unter dem obigen Link.

Frohes schaffen und viel Erfolg!

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Die Blogosphäre – eine Hierarchie

•2010.Februar 2 • 4 Kommentare

Großartige hierarchische Übersicht der Blogosphäre (via Kruppzeuch) von Hayungs & Peter Kroener.

Bleibt für mich die Frage: Was für ein Blogger bin ich denn nun?

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Bildungsministerin Schavan im SpOn-Interview “Es gibt kein gerechteres Kriterium als Leistung”

•2010.Januar 31 • Hinterlasse einen Kommentar

Bildungsministerin Schavan hat SpOn ein Interview gegeben (Link). Hier mein Kommentar in Gänze, der leider bei SpOn gekürzt werden musste.

Der Gedanke, dass das abstrakte Konstrukt der Leistung ein Maßstab zur Selektion böte macht ausschließlich für neoliberale Besitzstandwahrung Sinn. Durch die von frühester Kindheit an ungleichen Voraussetzungen seinen Weg in einer kapitalistischen Gesellschaft zu gehen (vgl. z.B. hier) ist es falsch einen “fairen Wettbewerb” zu propagieren. Des Weiteren sind die Leistungsparameter Noten längst obsolet. Sie gaukeln vor, die komplexen Fähigkeiten einer Person auf Zahlen runterbrechen zu können. An dieser Stelle empfehle ich sich mit der Kritischen Psychologie Klaus Holzkamps zu beschäftigen, der in Aufsätzen wie “Lehren als Lernbehinderung” und seiner eigenen Lerntheorie die Unsinnigkeit unseres Bildungssystems enttarnt. (Einen kurzen Einstieg findet man sonst auch hier.)

Darüber hinaus ist es äußerst “elegant” von Fr. Schavan zu sagen:

Ich werde einen Gesetzentwurf vorlegen, der die Stipendienvergabe durch die Hochschulen vorsieht. [...] Außerdem werden die Hochschulen die Gelder selbst einwerben. Nicht nur bei der Wirtschaft, sondern auch bei ehemaligen Studenten – da gibt es ein enormes Potential und die Möglichkeit, für die Studienfinanzierung einen Generationenvertrag einzugehen.” (Quelle: SpOn)

Mit anderen Worten: sie selber tut nichts und diejenigen, die bereits ohnehin kein Geld haben, die Hochschulen, sollen die Zeche für die desaströse Bildungspolitik zahlen.

Aber nehmen wir einmal an, dass ein warmer Regen an Stipendien und BaföG auf die Studierenden herunter regnet.
Wie sorgt dieses gerade so am Leben erhalten für bessere Betreuung der Studierenden, wie kommen dadurch mehr Professoren an die Universitäten, wie ermöglichen wir dadurch Menschen ein Studium, die auch mit Stipendium unter der Armutsgrenze sind, wie wird dadurch die bisherige Ausrichtung der Lehre auf wirtschaftliche Verwertbarkeit und Gewinnmaximierung reformiert? Gar nicht! Dies ist lediglich ein Konzept, was auf die alte Maxime “Voller Bauch revoltiert nicht gern” setzt. Nur das der Bauch nicht voll ist, sondern der Mensch, dem dieser Bauch gehört, gerade eben nicht verhungert. Mir kommt dabei das Bild eines Esels in den Sinn, dem man mit einer Konstruktion eine Möhre vor das Maul hält, so dass er sie zwar als Motivation für eine Vorwärtsbewegung sehen, aber nie mit dem Maul erreichen kann. Vielleicht sieht Fr. Schavan uns Studierende ja ähnlich.

Um zum Schluss noch mal auf den Grundgedanken des “Leistung muss sich lohnen; deshalb Stipendien” zurück zu kommen folgendes:
Ich habe mich beim Ministerium von Fr. Schavan angebotenen Aufstiegsstipendium beworben. Dieses Stipendium richtet sich gezielt an Menschen, die bereits eine Berufsausbildung haben und besonders gute Leistungen gezeigt haben. Da Bundesgesetze vorsehen, dass ich altersbedingt  kein BaföG bekomme (BaföG §10) und nicht mehr den Studententarif in der Krankenkasse [nicht wegen Studienzeit; ich bin im 3. Semester], dort also mehr zahlen muss (SGB V, §5, Abs. 1, Nr.9), meine letzte Hoffnung. Mit einer großartigen Note im Abschlusszeugnis [ich weiß; hab das Kriterium ja nicht ausgewählt] meiner Ausbildung und weit überdurchschnittlicher Erfahrung, die auch noch durch erstklassige Arbeitszeugnisse dokumentiert ist, sollte man meinen, dass ich die richtige Zielgruppe bin. Weit gefehlt! Ich bin Pädagoge, um genau zu sein Heilerzieher, und studiere jetzt Sonderpädagogik. Pädagogik ist aber noch nicht einmal im Anmeldeformular für das Stipendium, welches von Fr. Schavans Ministerium vergeben wird, vorgesehen. Mein Eindruck ist, dass unsere Gesellschaft dringend qualifizierte Pädagogen benötigt. Dies scheint nicht die Ansicht des Bildungsministeriums zu sein.

So kann ich nur versuchen mit zwei konstanten Nebenjobs und durcharbeiten in der vorlesunsfreien Zeit, in der ich natürlich auch meine Prüfungen schreibe, sowie diversen sporadischen Jobs, mein Studium selber zu finanzieren. Über die Armutsgrenze habe ich es damit zwar bisher noch nicht geschafft, aber wenn es das nächste mal in den Medien wieder heißt, dass viele Stipendiengelder noch nicht einmal in Anspruch genommen würden denke ich mir dann einfach: “Wieso auch, schließlich sollen die Menschen doch was leisten?

(Quelle Bild Sisyphos)

[Update]

In meinem letzten obigenKommentar (http://tr.im/MeZO) habe ich mich in erster Linie zu Stipendien und BaföG geäußert.
Mojito Diver spricht jetzt die Qualität an, die unser Bildungssystem hervorbringt.
Neben der sicher unstrittig bestehenden Klüngelei innerhalb finanzstarker Kreise ist aber gerade das Leistungs Konzept dafür verantwortlich, dass viele Studierende trotz toller Zeugnisse oft nur bedingt Arbeitsfähig sind. Die nach wie vor verbreitete Illusion vom Lehrlernen sorgt dafür, dass wir meinen, dass das was gelehrt wurde auch gelernt wurde. Um sicher zu gehen prüfen wir es ab. (Um diesen Taschenspielertrick des Lehrlernens nachzuvollziehen siehe Holzkamp in meinem letzten Kommentar)
Weil viel gelernt werden soll, lehren wir viel und prüfen wir viel. Diese Orientierung an der Quaantität führt notwendigerweise zu einer Oberflächlichkeit in der Lehre,um genau zu sein, zu reiner Reproduktion, die Überfrachtung mit Prüfungen zum Bulimie-Lernen. Die Folge ist, dass das Meiste kurz nach der Prüfung nicht mehr präsent ist und der klägliche Rest der doch hängen geblieben ist aus “Formeln” besteht, die aus dem (vor)letzten Jahrhundert besteht. Da kann man auch nach dem scheitern des neoliberalen Wirtschaftsmodells von BWL-Studenten nicht erwarten, dass sie was anderes tun als auf die Gesetze des Marktes zu setzen.Ihnen wurde im Studium schließlich nicht der Raum gegeben kritisch und selbstständig Alternativen zu überlegen.
Was wir meiner Meinung nach in der Bildung brauchen ist nicht Reproduktion sondern Kreation!

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Iran – Stellt Euch vor es ist Aufstand und niemand erfährt es

•2009.Dezember 27 • 1 Kommentar

Nachdem im Juni 2009 Mahmud Ahmadinedschad (per Wahlbetrug) erneut zum iranischen Staatsoberhaupt “gewählt” wurde, war es zu den größten Protesten im Iran seit Jahrzehnten gekommen. Nicht nur waren die Proteste an sich bemerkenswert, sondern auch der Umstand, dass die Opposition sich des Internets bediente um sich zu organisieren. Wie ich hier damals schrieb, waren Bilder aus dem Iran nur über Blogs zu bekommen, da das Regieme die Pressefreiheit massiv einschränkte (um nicht zu sagen abschaffte).

Ein halbes Jahr später.

Nachdem es von außen so wirkte, als wäre es dem Regime gelungen mit Gewalt die Proteste niederzuschlagen finden seit Tagen auf den Straßen Teherans immer heftiger werdende Auseinandersetzungen statt. Der Blog, der vor einem halben Jahr Fotos brachte, die nach und nach in den Mainstreammedien auftauchten existiert nicht mehr. Ob er ebenfalls den intensivierten Zensurmaßnahmen nach dem Tod des oppositionellem Ayatollah Montazeri zum Opfer gefallen ist, kann ich von hier natürlich nicht beurteilen. Dafür sind die Videos, die sich auf diesem Blog finden um so beunruhigender (und auch sonst bringt das Stöbern dort höchstens ein flaues Gefühl im Magen). Das es alleine heute mehrere Tote gab ist unstrittig. Lediglich die Anzahl und Identität unterliegen Spekulationen. Al Jazeera berichtet, dass möglicherweise das prominenteste Opfer, der Neffe des Oppositionsführers Mousavi sei.

Weit entfernt vom Iran, mit westlich-weihnachtlich gefülltem Bauch kann ich diese Entwicklung dort nur mit Bestürzung wahrnehmen und mir denken, dass so manches, was ich hier in Deutschland als unhaltbar empfinde, vielleicht doch nur ein Luxusproblem ist. Was ich tun kann ist, auf das Banner von Reporter ohne Grenzen, rechts hinzuweisen, die versuchen den Bloggern im Iran zu helfen.

Ein Grund auf das Banner zu klicken könnte dieses Interview mit dem iranischen Fotografen, Ali Zare, von Reporter ohne Grenzen sein.

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Kleingeldprinzessin live @ Audimax Uni-HH

•2009.Dezember 24 • Hinterlasse einen Kommentar

Am 11.12.2009 spielte die Kleingeldprinzessin Dota, wie zuvor schon die Irie Revoltes, einen Soli-Gig im Rahmen des Bildungsstreiks  im besetzten Audimax der Uni-HH. Mit unglaublich charismatischer Livepräsens bescherte sie den ca. 150 Anwesenden einen wunderschönen Konzertabend. Mit freundlicher Genehmigung von Dota darf ich diesen Mitschnitt von “Zimmer” hier präsentieren. Es sei allen, die den Abend nicht dort waren dringend empfohlen sich den Newsletter der Kleingeldprinzessin zu abonnieren um rechtzeitig über die Tour 2010 informiert zu werden. Die die da waren werden dies ohnehin tun ;)

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Exzellenzinitiative als Ideologie

•2009.Dezember 15 • Hinterlasse einen Kommentar

Unter obigem Titel sprach Torsten Bultmann am 08.12.2009 im Rahmen der Ringvorlesung: „Baustelle Universität: Abbruch oder Aufbau?“ der Germanistik. Anlässlich der Woche der Demokratie war die Veranstaltung in das besetzte Audimax verlegt worden. Einen Mitschnitt des ausgezeichneten Vortrags stellt uns der FSR-ErzWiss der Uni-Hamburg nun als Download oder zum Streamen zur Verfügung. Vielen Dank dafür!

Absolut sehenswert für jeden, der sich über die Hintergründer der Exzellenzinitiative informieren möchte, die gegenwärtig das gesamte Hochschulwesen lenkt.

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Wissenschaftliche Publikation, ihre Verwendung und das Urheberrecht

•2009.Dezember 15 • Hinterlasse einen Kommentar

Noch bis zum 22. Dezember 2009 kann hier eine e-Petition des deutschen Bundestages gezeichnet werden, die die freie Verfügbarkeit staatlich geförderter, wissenschaftlicher Publikationen fordert.

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein müssen. Institutionen, die staatliche Forschungsgelder autonom verwalten, soll der Bundestag auffordern, entsprechende Vorschriften zu erlassen und die technischen Voraussetzungen zu schaffen.

Begründung

Die öffentliche Hand fördert Forschung und Entwicklung nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung jährlich mit etwa 12 Milliarden Euro. Die Ergebnisse dieser Forschung jedoch werden überwiegend in kostenpflichtigen Zeitschriften publiziert. Es ist nicht angemessen, dass der Steuerzahler für die von ihm finanzierten Forschungsergebnisse erneut bezahlen muss.

Wegen der hohen Kosten und der Vielzahl wissenschaftlicher Zeitschriften sind Forschungsergebnisse nur in wenigen Bibliotheken einsehbar. Den meisten Bürgern ist der Zugang zu der von ihnen finanzierten Wissenschaft dadurch nicht nur erschwert, sondern de facto ganz verschlossen.

Den Bürger von der Wissenschaft auszusperren ist nicht nur schädlich, sondern auch unnötig. Andere Länder haben vergleichbare Vorhaben bereits umgesetzt. Die US-Amerikanische Behörde National Institutes of Health (NIH) verlangt, dass alle von ihr finanzierten Publikationen binnen 12 Monaten an einem zentralen Ort öffentlich zugänglich sind. Die grundsätzliche Struktur des wissenschaftlichen Publikationswesen verändert sich hierdurch nicht.”

So nahe liegend diese Forderung erscheint, so verwunderlich ist es, dass sie überhaupt gestellt werden muss. Tatsächlich wird nicht nur die außer universitäre Öffentlichkeit durch monäre Grenzen vom aktuellen Stand der Wissenschaft ferngehalten, sondern auch Studierende werden beim Anknüpfen an eben jene Forschungsergebnisse massiv behindert. Nach einem Urteil des OLG Frankfurt (PDF) führt jedes Ausdrucken oder digitales Kopieren, urheberrechtlich geschützter, wissenschaftlicher Werke, an elektronischen Terminals in Universitäten zur Zahlung “eines Ordnungsgeldes von 250.000,00 € an dessen Stelle im Falle der Uneinbringlichkeit eine Ordnungshaft von bis zu 6 Monaten tritt” (Quelle: siehe Urteil).

Klingt wahnsinnig? Ist es auch!

Besonders wenn man bedenkt, dass die Schwarz-Rote Bundesregierung ursprünglich angekündigt hatte das Urheberrecht “wissenschaftsfreundlich” umzugestalten. Auch die Einrichtung der Europäischen Digitalen Bibliothek hätte da hoffnungsfroh stimmen können. “Als “wissenschaftsfreundlich” wurden jedoch in der Folgezeit nur die Verlagsinteressen interpretiert, die mit der Publikation öffentlich geförderter Forschung Geld verdienen und dann der Wissenschaft deren eigene Forschungsergebnisse überteuert “zurückverkaufen.”” (Quelle: tauss)

Verlage kauften ihnen [den Wissenschaftlern; Anm. Ich] oft die Exklusivrechte für ihre Werke ab und vertrieben sie dann in Fachmagazinen und Büchern. Nicht einmal auf der eigenen Homepage dürfen die Wissenschaftler diese Texte dann noch publizieren. Und die Verlage verlangten seit Mitte der 90er immer höhere Preise für ihre Titel – sodass Bibliotheken ihre Abos aus Geldgründen reihenweise kündigten.” (Quelle: taz)

Diese Praxis führt dazu, dass Studierende weiterhin Kopierkosten für die Reader zu ihren Seminaren bezahlen müssen, die Texte von dem Dozenten eben dieses Seminars enthalten – verpflichtend und trotz Studiengebühren. Aber auch beim erstellen von Online-Lehrmaterialien, Präsentationen und Diplom-, Magister-, Bachelor-, Master- und Hausarbeiten liegt die Strafanzeige mit etwas Pech nur wenige Wörter entfernt. Einen Überblick über rechtliche Rahmenbedingungen des wissenschaftlichen Zitierens hat Lernen 2.0 in diesem (PDF) zusammengestellt.

Aber es gibt auch erste Konzepte, die einen Ausweg aus dieser Misere suchen.

Meinen persönlich favorisierten Gedanken habe ich unter dem Titel “Das Wissenschaftliche Endlager” ja bereits ausgeführt. Mit der Veröffentlichung meiner Facharbeit (Abschlussprüfung zum Heilerzieher) und der ein oder anderen Modulabschlussprüfung während des Studiums bin ich bereits meiner Forderung nachgekommen und möchte dazu ermuntern meinem Beispiel zu folgen.

Ein weiteres Modell präsentiert die Uni-Hamburg mit Hamburg University Press, einem hauseigenem Open Access Verlag.

Alle Publikationen stehen online zur freien Lektüre und zum kostenlosen Herunterladen auf den Verlagswebseiten zur Verfügung. Die Werke werden in der Regel zusätzlich im Print-on-Demand(PoD)-Verfahren als Hardcover in sehr guter Qualität gedruckt. PoD ist für wissenschaftliche Publikationen von großem Vorteil: Gefertigt wird bei Bestellung. So müssen keine großen Auflagen produziert werden und der Titel ist niemals vergriffen.” (Quelle: Stabi)

Auf der Plattform Paper C können diverse wissenschaftliche Publikationen kostenlos und in Gänze Online gelesen werden. “Erst, wenn die Nutzer einzelne Seiten herunterladen, ausdrucken oder als personalisiertes PDF mit eigenen Notizen und Zitaten innerhalb des Dokumentes abspeichern wollen [...] fällt eine Gebühr von zehn Cent pro Seite an. [...] Dass PaperC auch den Verlagen finanzielle Vorteile bringt, verdeutlichen die Plattformgründer anhand von Zahlen der Verwertungsgesellschaft Wort. “Studenten geben jährlich zwischen 40 und 60 Euro für Fachbücherkopien aus. Das ergibt in Deutschland insgesamt einen Markt von 100 Mio. Euro pro Jahr. Für eine einzelne Kopie, die im Schnitt zwischen 0,05 und 0,10 Euro kostet, erstattet die VG Wort nur cirka 0,01 Euro an die Verlage zurück. Bei PaperC erhalten die Verlage aber 4,2 Cent pro Kopie”, rechnet Fröhlich [Geschäftsführer Paper C; Anm. Ich] vor.” (Quelle: der standard)

Es ist nicht nur an der Zeit für freie Bildung auf die Straße zu gehen, sondern auch selber neue Wege zu beschreiten!

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Habemus Lenzen; ein Pressespiegel

•2009.Dezember 14 • Hinterlasse einen Kommentar

Eines muss man Hr. Lenzen ja lassen; blöd ist er nicht. Im Gegensatz zu westlichen Militärmächten im Irak oder Afghanistan hat er eine Exit-Strategie. Die Modalitäten seiner Pensionsansprüche sind offensichtlich fertig verhandelt, denn am Freitg den 11.12.2009 nahm er seine Wahl zum Präsidenten der Uni-Hamburg an. Hier ein Pressespiegel dazu. Den Anfang darf der zukünftige Arbeitgeber machen.

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